Patent DE 10 2024 130 768.4 beschreibt eine modulare, rein elektrische Leiterrahmenkonstruktion aus Karbonfaser – und nährt Spekulationen über ein grobes BMW-Offroad-Modell bis 2029.

BMW baut seit Jahrzehnten Autos mit selbsttragendem Karosserieaufbau. Ein im April 2026 veröffentlichtes Patent (DE 10 2024 130 768.4) deutet jedoch auf einen grundlegenden Richtungswechsel hin: ein modularer Leiterrahmen, konzipiert ausschließlich für Elektroantriebe. Verknüpft wird das Dokument mit dem seit Monaten kursierenden Projekt BMW Rugged (intern: G74), das als Münchener Antwort auf die Mercedes-Benz G-Klasse und den Land Rover Defender positioniert werden soll.

Modulares Prinzip mit Karbonfaser

Das Patent beschreibt eine skalierbare Konstruktion, bei der vordere und hintere Querträger sowie diagonale Verbindungselemente baugleich sind. Die Länge und Breite des Rahmens lässt sich schlicht durch Kürzen der Längsträger anpassen – ein cleverer Ansatz für Plattform-Flexibilität über mehrere Modelle hinweg. Bemerkenswert ist der vorgesehene Werkstoff: BMW nennt explizit faserverstärkten Kunststoff (FVK) inklusive Kohlefaser für die Trägerelemente. Das soll das Gesamtgewicht senken und damit Energieeffizienz sowie Fahrdynamik verbessern.

BMW Elektromotor der sechsten Generation (eDrive). Foto: BMW

Noch auffälliger ist, was im Patenttext fehlt: jeglicher Hinweis auf Verbrennungsmotoren. Die Unterlagen beschreiben ausschließlich die Montage von Traktionsbatterien und Elektromotoren. Das steht allerdings im Widerspruch zu Berichten aus dem August 2025, wonach der G74 auch als Plug-in-Hybrid (PHEV) auf der CLAR-Plattform erscheinen könnte – das Patent selbst ist rein elektrisch ausgelegt.

DACH-Relevanz: Förderung, Fertigung, Komponenten

Für den DACH-Markt sind drei Aspekte entscheidend. Erstens: Der deutsche Umweltbonus für Elektrofahrzeuge wurde im Dezember 2023 abrupt beendet. Die steuerliche Begünstigung für Dienstwagen bleibt jedoch bestehen – Elektrofahrzeuge mit einem Listenpreis bis 70.000 Euro werden nur mit 0,25 Prozent monatlich versteuert statt mit dem üblichen Prozentsatz. Ein vollelektrischer BMW Rugged in dieser Preisklasse wäre für Firmenwagenkäufer hochattraktiv.

Zweitens plant BMW die G74-Fertigung Berichten zufolge im US-Werk Spartanburg (South Carolina) – nicht in Deutschland oder Österreich. Das erhöht das Risiko von EU-Importzöllen und macht die Fahrzeugkalkulation für den europäischen Markt aufwendiger. Drittens: Der Standort Steyr in Österreich produziert ab Sommer 2025 Antriebsmotoren der sechsten eDrive-Generation, die auch im kommenden G65 X5 zum Einsatz kommen. Die DACH-Region bleibt damit Komponentenlieferant – die Endmontage wandert jedoch über den Atlantik.

Spekulation mit Substanz

BMW hat weder das G74-Projekt offiziell bestätigt noch einen Serienstart angekündigt. Branchenbeobachter wie BMWBlog und CarBuzz sehen das Patent als starken Hinweis, warnen aber vor dem Risiko rein defensiver Schutzrechtsanmeldungen. Das Startfenster 2029 bis 2030 bleibt vorerst spekulativ – aber das Patent zeigt, dass München das Offroad-Segment zumindest ernsthaft durchdenkt.