Nissan streicht in Europa rund 900 Stellen – das entspricht knapp zehn Prozent der europäischen Gesamtbelegschaft von 9.300 Mitarbeitenden. Das Werk im britischen Sunderland, einziger Nissan-Montagestandort in Europa, fährt künftig nur noch eine statt zwei Produktionslinien. Die zweite Linie soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 stillgelegt werden.
Produktion halbiert, Strukturen gestrafft
Das Sunderland-Werk produzierte 2025 noch 273.174 Fahrzeuge – darunter den Leaf (Elektroauto), den Juke und den Qashqai. Historisch lagen die Stückzahlen bei über 500.000 Einheiten jährlich; die Auslastung ist damit auf rund 50 Prozent gefallen. Alle drei Modelle werden künftig auf der verbleibenden Linie gefertigt, die dafür auf einen Dreischichtbetrieb umstellt.
Der Stellenabbau konzentriert sich hauptsächlich auf Spanien (rund 500 Stellen) sowie weniger als 50 britische Büropositionen. Gleichzeitig schließt Nissan sein Teilelager in Barcelona teilweise und stellt den Vertrieb in den nordischen Ländern auf ein Importeurs-Direktmodell um, anstatt wie bisher eigene Niederlassungen zu betreiben – laut Autocar Teil einer umfassenden Effizienzoffensive.
Chinesische Marken gewinnen, Nissan verliert
Der Rückzug spiegelt eine klare Marktverschiebung wider. Im britischen Markt – als Gradmesser für Westeuropa – fiel Nissans Marktanteil von 5,6 Prozent (2016) auf 3,7 Prozent in den ersten vier Monaten 2026, so der Branchenverband SMMT. Im selben Zeitraum erreichte Chery mit seinen Marken Jaecoo, Omoda und dem Stammlabel knapp 5 Prozent, MG lag bei rund 4 Prozent, BYD bei 3,45 Prozent.
Für die freigewordene Fertigungslinie in Sunderland laufen Gespräche mit den chinesischen Herstellern Chery und Dongfeng über eine mögliche Leasingvereinbarung. Chery-UK-Direktor Victor Zhang bestätigte das Interesse an einem britischen Fertigungsstandort; ein Vertrag ist aber noch nicht unterzeichnet. Chery baut bereits ein CKD-Werk (Montage aus angelieferten Bausätzen) in Barcelona.
Globale Restrukturierung mit DACH-Relevanz
Für Fahrzeugkäufer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ändert sich kurzfristig nichts: Qashqai und Leaf bleiben im Handel, Modellabkündigungen sind nicht angekündigt. Allerdings fügt sich Sunderland in Nissans globale Konsolidierung ein – der Konzern hat bereits die Schließung von sieben Werken weltweit angekündigt. Zusätzlichen Druck erzeugen US-Importzölle sowie der wachsende Wettbewerb auf dem chinesischen Heimatmarkt, berichtet Reuters/Edge.
Einen konkreten Hoffnungsschimmer gibt es: Das neue elektrische Juke-Modell soll Ende 2026 anlaufen – mit Unterstützung der britischen Regierung gesichert und als Zeichen, dass Nissan an Sunderland als strategischem Standort festhält.