Milan Nedeljković ist seit dem 14. Mai 2026 der neue Vorstandsvorsitzende der BMW AG. Der 56-jährige Serbe löst Oliver Zipse ab, der das Unternehmen 35 Jahre lang geprägt hat. Nedeljkovićs Vertrag läuft bis 2031 – lange genug, um die teuerste Investitionsprogramm der Firmengeschichte zu Ende zu führen.
Neue Klasse: über zehn Milliarden Euro, 40 Modelle, ein Zieldatum
BMW hat mehr als zehn Milliarden Euro in die Neue-Klasse-Plattform gesteckt. Der erste Serienträger, der BMW iX3, kam im März 2026 auf den Markt und zog in Europa über 50.000 Vorbestellungen auf sich – das Unternehmen zog dafür im Februar 2026 eine zweite Schicht im Werk Debrecen vor. Im August 2026 startet die Produktion des neuen BMW i3. Bis Ende 2027 sollen mehr als 40 Modelle auf der neuen Architektur stehen.
Die Plattform bringt ein 800-Volt-Bordnetz mit – das lädt schneller als die weit verbreiteten 400-Volt-Systeme – und eine WLTP-Reichweite von bis zu 800 Kilometern (EU-Messstandard). Gleichzeitig verfolgt BMW eine Doppelstrategie: Die bestehende CLAR-Plattform für Verbrenner und Plug-in-Hybride (PHEV) läuft voraussichtlich bis etwa 2034 weiter.
Nedeljkovićs wichtigstes Werkzeug ist die Kostendisziplin. BMW hat sich vorgenommen, die Fertigungskosten um zehn Prozent zu senken und bei Antriebssträngen 30 Prozent einzusparen. Das Ziel: eine EBIT-Marge von acht bis zehn Prozent bis 2027.
München, Steyr, Debrecen – und ein DACH-Vorteil beim Firmenwagen
Das Münchner Stammwerk, in das BMW 650 Millionen Euro investiert hat, soll ab 2027 ausschließlich Elektrofahrzeuge unter dem Label iFACTORY fertigen. Der Betriebsrat steht hinter Nedeljković – ein Vertrauensverhältnis, das er sich in seiner Zeit als Produktionsvorstand seit 2019 erarbeitet hat. Im österreichischen Steyr fließt eine weitere Milliarde Euro in die Fertigung der sechsten Generation von E-Motoren.
Für Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz lohnt sich ein Blick auf die steuerliche Seite: Elektrofahrzeuge mit einem Listenpreis bis 70.000 Euro werden in Deutschland nur mit 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises monatlich als geldwerter Vorteil angesetzt – gegenüber 0,5 Prozent bei PHEV oder Verbrenner. Hinzu kommt die zehnjährige Kfz-Steuer-Befreiung für Elektroautos. Den staatlichen Umweltbonus gibt es seit Dezember 2023 nicht mehr, doch das Premiumsegment, in dem BMW spielt, federt das ab.
China bleibt die offene Rechnung
Nedeljković übernimmt auch eine Baustelle: In China sind die BMW- und MINI-Verkäufe binnen zwei Jahren um rund 200.000 Einheiten gefallen. 2025 lagen die kombinierten Absatzzahlen beider Marken bei 626.000 Fahrzeugen. BMW antwortet mit Langradstand-Versionen von iX3, i3, X5 und 3er speziell für den chinesischen Markt – und mit dem Wissen, dass der Wettbewerbsdruck durch lokale Hersteller wie BYD und NIO nicht nachlässt.
Nedeljković kommt aus Kruševac in Serbien, studierte Maschinenbau an der RWTH Aachen und am Massachusetts Institute of Technology und begann 1993 als Trainee bei BMW. Er kennt die Werke in Oxford, Leipzig und München von innen. Nun muss er zeigen, dass Produktionskompetenz allein reicht, um einen Weltkonzern durch den schnellsten Wandel seiner Geschichte zu steuern.