Im April 2026 erreichte Chinas NEV-Anteil 61,4 Prozent – während europäische Hersteller bei 14,5 Prozent stagnieren und der Preisdruck aus Fernost wächst.

Chinas Elektrifizierungstempo hat im April 2026 einen neuen Rekord gesetzt: 61,4 Prozent aller neu verkauften Pkw waren Elektrofahrzeuge oder Plug-in-Hybride (PHEVs) – nach 51,7 Prozent im März. Gleichzeitig überstieg der NEV-Anteil an den Gesamtexporten erstmals die 50-Prozent-Marke. Für europäische Hersteller, die mit CO₂-Zielen und dem Verbrennerverbot 2035 kämpfen, ist das ein klares Warnsignal.

Markt schrumpft – aber Elektro wächst

Der chinesische Gesamtmarkt für Pkw fiel laut der Branchenvereinigung CPCA im April auf 1,4 Millionen Einheiten, ein Rückgang von 21,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Ursache lag fast ausschließlich bei Verbrennern: Benziner brachen um 37 Prozent ein, während der NEV-Absatz mit einem Minus von lediglich 6,8 Prozent (849.000 Einheiten) vergleichsweise stabil blieb.

Unter den zehn meistverkauften Modellen des Monats waren neun elektrifiziert. Einzige Ausnahme: der Geely Binyue (international als Coolray bekannt), ein kompakter SUV mit Verbrennungsmotor auf Rang acht. Den ersten Platz belegte der Geely Xingyuan (Galaxy EX2), der sich rund 2,3-mal besser verkaufte als der Coolray.

BYD, Geely, Changan – und der Druck auf Europa

Unter den chinesischen Marken lag der NEV-Anteil im Schnitt bei bemerkenswerten 80,1 Prozent. BYD führte das Ranking mit 182.000 verkauften Einheiten an, gefolgt von Geely (96.000) und Changan (64.000). Im Premiumsegment fiel die Elektrifizierungsquote mit 26,1 Prozent deutlich niedriger aus – dort, wo BMW, Mercedes und Audi traditionell stark sind.

Zum Vergleich: In der EU lag der EV-Anteil 2024 bei gerade einmal 14,5 Prozent (ACEA-Daten). Seit der Abschaffung des deutschen Umweltbonus im Dezember 2023 fehlt ein zentraler Kaufanreiz. Gleichzeitig drücken BYD und Geely mit wettbewerbsfähigen Preisen in die Kompakt- und Crossover-Segmente – genau dort, wo Volkswagen, Opel und Stellantis ihre Volumenmärkte haben.

Exportboom: Über 400.000 NEV im Monat

Besonders brisant ist die Entwicklung auf der Exportseite. China verschiffte im April insgesamt 769.000 Fahrzeuge (+80,7 Prozent gegenüber Vorjahr), davon 406.000 NEV – ein Anstieg von 111,8 Prozent. Damit entfällt erstmals mehr als die Hälfte aller chinesischen Autoexporte auf elektrifizierte Modelle.

Größte Exporteure waren BYD (130.000 Einheiten), Chery (58.000) und Tesla China (54.000). Die EU reagiert mit Ausgleichszöllen auf chinesische Elektrofahrzeuge sowie dem Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) – einem CO₂-Grenzausgleichsmechanismus. Doch Preislücken von teils mehreren Tausend Euro gegenüber europäischen Modellen lassen sich regulatorisch nur begrenzt schließen.

Was das für den DACH-Markt bedeutet

Die VDA-CO₂-Ziele für 2025 bis 2027 sehen eine Dreijahres-Mittelwertregelung vor, die deutschen Herstellern etwas Luft verschafft. Doch je länger der inländische NEV-Hochlauf stockt, desto mehr Druck entsteht auf Margen und Flottenbilanzen. Chinas Tempo macht deutlich, wie schnell ein Massenmarkt kippen kann – und wie wenig Zeit bleibt, den Rückstand aufzuholen.