Ein 51/49-Joint-Venture soll die chinesische Premiummarke Voyah nach Europa bringen – per Lokalisierung im französischen Rennes, um EU-Zusatzzölle von bis zu 35 % zu umgehen.

Stellantis und der chinesische Automobilkonzern Dongfeng haben eine unverbindliche Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) unterzeichnet, um ein gemeinsames Unternehmen für Europa zu gründen. Das Joint Venture soll Elektroautos und Hybride der Premiummarke Voyah verkaufen, verteilen und künftig möglicherweise in Frankreich produzieren. Besonders brisant: Als Produktionsstandort ist das Stellantis-Werk im bretonischen Rennes im Gespräch – und das hat einen klaren taktischen Hintergrund.

Zölle als Auslöser

Seit Oktober 2024 erhebt die Europäische Kommission auf chinesische Elektroautos einen Basiszoll von 10 % plus einen Ausgleichszoll (Countervailing Duty, CVD) von bis zu 35 %. Genau dieser Mechanismus hatte den ursprünglich für 2024 geplanten Voyah-Marktstart in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien zum Scheitern gebracht. Aktuell ist die Marke nur in Norwegen und der Schweiz erhältlich – beides Länder außerhalb der EU-Zollregelung.

Fahrzeuge, die im Werk Rennes gefertigt werden, trügen das Label „Made in France" und wären von den chinesischen EV-Strafzöllen ausgenommen. Für Dongfeng bedeutet das den Zugang zum EU-Binnenmarkt ohne Aufpreis; für Stellantis die Möglichkeit, die Kapazitäten einer Fabrik auszulasten, die derzeit lediglich den Citroën C5 Aircross auf einer einzigen Montagelinie produziert – laut Electrive.

Marke, Modelle und Marktstruktur

Im neuen Joint Venture hält Stellantis 51 %, Dongfeng 49 %. Der europäische Partner übernimmt Vertrieb, Einkauf, Ingenieurwesen und Fertigung. Dongfeng profitiert sofort vom bestehenden Händlernetz und dem Kundendienst des Stellantis-Konzerns – ein erheblicher Vorteil gegenüber dem Aufbau einer eigenen Infrastruktur von null.

Das Voyah-Portfolio umfasst derzeit drei Modelle: den Free (SUV), den Dreamer (großer Van) und den Zhiyin (rein elektrisches SUV). Die Marke positioniert sich im Premiumsegment – vergleichbar mit der bestehenden Stellantis-Leapmotor-Kooperation, die auf das günstigere Volumensegment zielt. Ein Einstiegspreis von rund 69.900 Euro wird für einzelne Märkte genannt, konkrete Preise für eventuelle Rennes-Varianten stehen noch aus, wie InsideEVs berichtet.

Noch kein unterschriebener Vertrag

Das MoU ist ausdrücklich unverbindlich. Welche Voyah-Modelle tatsächlich in Rennes vom Band rollen sollen und ab wann, ist nicht bestätigt. Die Finalisierung hängt von regulatorischen Genehmigungen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab – ein Abschluss ist keineswegs garantiert.

Parallel dazu weitet die Kooperation sich auch Richtung China aus: Ab 2027 sollen im Dongfeng-Werk in Wuhan neue Peugeot- und Jeep-Modelle für den globalen Export gefertigt werden. In der bisherigen Partnerschaft Dongfeng Peugeot Citroën Automobile entstanden bereits über 6,5 Millionen Fahrzeuge.