Ab 2027 ersetzt Stellantis fünf bestehende Fahrzeugarchitekturen durch eine einzige modulare Plattform. Peugeot und Fiat führen den europäischen Rollout an – Opel schrumpft zur Variante.

Stellantis hat am 21. Mai 2026 die neue Fahrzeugarchitektur STLA One vorgestellt – und damit einen der größten Plattformwechsel in der Konzerngeschichte eingeleitet. Ab 2027 löst die modulare Basis fünf bisherige Architekturen ab und soll bis 2035 über 30 Modelle und mehr als zwei Millionen Einheiten pro Jahr tragen. Für den DACH-Markt bedeutet das: Peugeot, Fiat, Citroën und Opel fahren künftig auf demselben Unterbau.

Peugeot und Fiat führen, Opel folgt

Im europäischen STLA-One-Rollout übernehmen Peugeot mit sieben Modellen und Fiat mit fünf Modellen – darunter ein neuer Grizzly-SUV – die Führungsrolle. Citroën erhält einen digitalen 2CV sowie weitere Elektromodelle. Die Plattform deckt die Segmente B (Kleinwagen), C (Kompaktklasse) und D (Mittelklasse) ab.

Opel hingegen wird zum sogenannten Follower: Das Rüsselsheimer Entwicklungszentrum baut seine Belegschaft laut Electrive von 1.650 auf rund 1.000 Stellen ab – ein Rückgang von 40 Prozent. Künftig adaptiert Opel Peugeot-Entwicklungen, statt eigene Fahrzeuge von Grund auf zu konstruieren. Eine Einstellung der Marke ist nicht geplant, die Eigenständigkeit aber deutlich eingeschränkt.

800-Volt-Technik, LFP-Akku und Zellintegration

Technisch setzt STLA One auf ein 800-Volt-Bordnetz – ein System, das schneller lädt als die verbreiteten 400-Volt-Architekturen. Als Zellchemie kommt Lithium-Eisenphosphat (LFP) zum Einsatz: günstiger in der Rohstoffbeschaffung, da weder Nickel noch Kobalt benötigt werden, und mittlerweile bei Ladeleistung und Reichweite deutlich konkurrenzfähiger als frühere LFP-Generationen.

Hinzu kommt die sogenannte Cell-to-Body-Integration: Die Akkuzellen werden direkt in die Fahrzeugstruktur eingebaut, statt in separaten Modulen zu stecken. Das senkt Gewicht und Bauhöhe, schafft mehr Innenraum und ermöglicht größere Batteriekapazitäten ohne Aufblähen der Karosserie. Stellantis rechnet mit 70 Prozent gemeinsamer Bauteile über alle Segmente hinweg – was die Entwicklungskosten je Modell spürbar drücken soll.

E-Auto unter 15.000 Euro – und der Druck aus Fernost

Das strategisch ambitionierteste Versprechen: Ab 2028 soll im süditalienischen Pomigliano d'Arco ein Elektroauto für unter 15.000 Euro vom Band laufen – laut Euronews ein direkter Angriff auf chinesische Anbieter wie BYD im Massensegment. LFP-Chemie und Zellintegration sind zentral für diese Kalkulation.

Für Österreich bleibt der staatliche E-Mobilitätsbonus von 5.000 Euro (Stand Mai 2026) ein relevanter Kaufanreiz, der solche Einstiegspreise noch attraktiver macht. Die Schweiz verzichtet auf vergleichbare Bundesprämien, profitiert aber von einem tiefen Importsteuersatz auf Elektrofahrzeuge.

Software: Qualcomm und Wayve an Bord

STLA One ist zudem die erste Stellantis-Plattform mit integriertem STLA Brain (zentrales Fahrzeugnetzwerk), SmartCockpit auf Basis der Qualcomm Snapdragon Digital Chassis sowie Steer-by-Wire – also einer elektronischen Lenkung ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern. Für Fahrassistenzsysteme kooperiert Stellantis mit dem britischen KI-Startup Wayve; geplant ist ein hands-free-fähiges Assistenzsystem der Stufe 2, bei dem der Fahrer weiterhin aufmerksam bleiben muss.

Ob die Plattform ihre Kostenziele von 20 Prozent Einsparung gegenüber den bisherigen fünf Architekturen erreicht, entscheidet sich spätestens 2027 – wenn die ersten Serienmodelle in den Handel kommen.