Mercedes-Benz bestätigt für 2027 einen „Little G" mit zwei Antriebsoptionen: ein 188-PS-Hybridantrieb und eine vollelektrische Version mit 85-kWh-Akku und 724 km WLTP-Reichweite.

Mercedes-Benz dreht seine Elektrostrategie für den kommenden kompakten G-Class teilweise zurück. Weil US-Händler massiven Druck auf den Konzern ausübten, wird das Modell – intern „Little G" genannt – 2027 nicht nur als Elektrofahrzeug erscheinen, sondern auch mit einem Hybridantrieb. Für den DACH-Raum bleibt die Elektrovariante dennoch klar im Fokus des Stuttgarter Herstellers.

Warum der Verbrenner zurückkommt

Mercedes-AMG-Chef Michael Schiebe bestätigte bei einem Händler-Roundtable am 19. Mai, dass amerikanische Händler die Hybridoption ausdrücklich eingefordert hatten – laut Motor1 (Mai 2026) sogar mit direktem Druck auf das Management. Der Hintergrund: Der G 580 EV verkaufte sich in den USA mau. Berichten zufolge wurden bis April 2025 nur rund 1.450 Einheiten abgesetzt, während ICE-Varianten (Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor) auf etwa 9.700 Einheiten kamen – ein deutliches Missverhältnis, das die Händler zu Recht besorgte.

Das Ergebnis: Mercedes gibt das ursprüngliche EV-only-Konzept für den Little G auf und ergänzt das Programm um eine Hybridvariante mit dem 1,5-Liter-Turbo-Vierzylinder aus dem neuen CLA – 188 PS und 221 Nm Drehmoment. Beide Versionen erhalten serienmäßigen Allradantrieb mit Torque Vectoring.

Technik: Hybrid und vollelektrisch

Die Elektrovariante setzt auf einen 85-kWh-NMC-Akku und erreicht 724 km nach WLTP (EU-Reichweitenstandard). Für Alltagsfahrer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das ein praxistauglicher Wert – selbst bei einem deutlichen Aufschlag durch Kälte oder Autobahntempo bleibt die Reichweite wettbewerbsfähig.

Die Hybridversion richtet sich an Käufer, die das G-Class-Erlebnis wollen, aber auf eine Ladeinfrastruktur angewiesen sind, die in manchen Regionen noch Lücken hat. Der bekannte 1,5-Liter-Turbo aus dem CLA macht den Little G damit zur deutlich günstigeren Einstiegsoption ins G-Klasse-Universum gegenüber dem vollformatigen Geländewagen.

Europa bleibt Elektro-Fokus

Schiebe selbst betonte, dass er für Europa eine deutlich höhere Nachfrage nach der EV-Variante erwartet. Als Beleg verwies er auf die neue CLA: Laut Yahoo Finance / Electrive (April 2026) wurden in der EU bis Februar 2026 bereits über 25.500 Einheiten des CLA registriert, davon mehr als 9.600 allein in Deutschland – mit einem überraschend hohen Elektroanteil.

Das zeigt den grundlegenden Unterschied zwischen den Märkten: Während US-Händler den Hybridantrieb durchsetzten, dürfte im DACH-Raum die Elektrovariante das Zugpferd werden. Genaue Preise hat Mercedes noch nicht kommuniziert; die Produktion startet voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2027. Ob Hybrid und EV gleichzeitig anlaufen, ist bislang offen.