Polestar hat die Entwicklung des elektrischen Roadsters zu fast 95 Prozent abgeschlossen – doch Volumenmodelle wie der Polestar 5 und der kommende Polestar 7 haben Vorrang bis 2028.

Der Polestar 6 ist technisch nahezu fertig – und trotzdem wartet er. Das schwedisch-chinesische Unternehmen hat die Entwicklung des elektrischen Roadsters auf Eis gelegt, obwohl laut Graeme Lambert, Leiter der globalen Kommunikation bei Polestar, rund 95 Prozent der Ingenieurarbeit abgeschlossen sind. Was noch fehlt: das Klapphartdach und die hinteren Sitze. Beide Punkte soll Polestar ohne externe Partner selbst umsetzen. Das Problem ist kein technisches, sondern ein strategisches.

Voller Terminkalender bis 2028

Polestar plant bis 2028 vier neue Modelle – und der Roadster gehört nicht zur Kernprioritätsliste. Im Fokus stehen:

- Polestar 5 (Marktstart Sommer 2026) - Polestar 4 (Überarbeitung) - Polestar 2 (neue Generation, 2027) - Polestar 7 (kompakter SUV, 2028)

CEO Michael Loscheller betonte gegenüber Auto Express, der Roadster werde in kleiner Stückzahl gebaut. Der Fokus liege klar auf Volumensegmenten mit Gewinnpotenzial. Der Polestar 6 ist damit eher ein Prestige-Projekt als ein Umsatztreiber.

Technik: Identisch mit dem Polestar 5

Polestar 6 und Polestar 5 teilen dieselbe PPA-Plattform. Batterie (112 kWh), Doppelmotoren (884 PS / 659 kW) und Fahrwerk sind laut Lambert „exakt gleich" – per Edmunds. Der Roadster ist im Wesentlichen eine kürzere, offene Variante der Limousine. Die WLTP-Reichweite (EU-Testnorm) liegt bei rund 595 km. Dank dieser Plattformgleichheit konnte Polestar das Projekt weit entwickeln, ohne unverhältnismäßig hohe Kosten zu erzeugen.

Dass der Polestar 6 aus Chengdu in China kommt, spielt im DACH-Markt keine negative Rolle – EU-Einfuhrzölle stellen für Polestar hier kein Verkaufshindernis dar. Anders sieht es in den USA aus: Dort gilt ein 100-prozentiger Importzoll auf chinesisch produzierte Elektrofahrzeuge, der bereits den Polestar 5 vom US-Markt ausschließt. Der Polestar 6 wäre davon ebenso betroffen.

Nachfrage vorhanden, aber kein Durchbruch

Die ersten 500 Exemplare der „LA Concept"-Startserie – zum Preis von rund 200.000 US-Dollar mit einer Anzahlung von 25.000 US-Dollar – waren binnen weniger Wochen ausverkauft. Das zeigt: Interesse ist vorhanden. Überzeugend genug für eine Priorisierung war es offenbar dennoch nicht.

Ein möglicher Neustart der Roadster-Entwicklung wird spekulativ für 2027 bis 2029 gehandelt. Wer den Polestar 6 in der DACH-Region kaufen möchte, braucht also weiterhin Geduld – und muss damit rechnen, dass ein konkreter Marktstart noch Jahre entfernt ist.