Ab dem Modelljahr 2027 ersetzt Polestar die kritisierten Touch-Flächen am Lenkrad durch physische Tasten – regulatorischer Zwang und Kundenfrust treiben den Wandel.

Polestar kehrt beim Bedienkonzept um. CEO Michael Lohscheller bestätigte gegenüber Autocar (CEO-Interview), dass der überarbeitete Polestar 3 ab Modelljahr 2027 physische Lenkradtasten erhält – als direkte Reaktion auf Kundenkritik und die neuen Euro-NCAP-Sicherheitsanforderungen. Das 60.000 Mitglieder starke Polestar-Besitzerforum lieferte dabei das klarste Signal: Berührungsflächen ohne taktile Rückmeldung sind beim Fahren schlicht schwer zu bedienen.

Euro NCAP setzt neue Maßstäbe

Seit Januar 2026 verlangt Euro NCAP (das europäische Fahrzeugsicherheits-Bewertungssystem) für ein Fünf-Sterne-Rating physische Bedienelemente für fünf Kernfunktionen: Blinker, Scheibenwischer, Hupe, Warnblinklicht und Notruftaste. Touchscreen-Menüs reichen für diese sicherheitskritischen Funktionen nicht mehr aus. Laut ETSC (Euro NCAP explainer) ist die ablenkende Wirkung übermäßiger Touchscreen-Nutzung dabei ausdrücklich belegt. Für den DACH-Markt, wo das Fünf-Sterne-Rating ein wichtiges Kaufargument bleibt, ist das ein bindender Einschnitt.

Schrittweiser Umbau der gesamten Modellpalette

Der Polestar 3 macht den Anfang, weitere Modelle folgen. Polestar 2 (zweite Generation), Polestar 4 als Kombi sowie der neu angekündigte Polestar 7 (2027) sollen laut Motor1 denselben Weg einschlagen. Welche Funktionen jenseits des Lenkrads konkrete Tasten bekommen, hat Polestar noch nicht im Detail kommuniziert. Designchef Philipp Römers hatte eine Rückkehr zu klassischen Schaltern und Reglern bereits früher angedeutet.

Aktuell dominiert im Polestar 3 ein 14,5-Zoll-Touchscreen fast alle Fahrzeugfunktionen. Die unmarkierten Berührungsfelder am Lenkrad gelten in zahlreichen Testberichten als verwirrend – besonders beim Blick auf die Straße.

Branchentrend, kein Einzelfall

Polestar steht mit diesem Schritt nicht allein. Die vergangenen Jahre brachten eine breite Touchscreen-Offensive durch die Automobilindustrie – oft auch aus Kostengründen, da ein großes Display günstiger produziert werden kann als Dutzende Einzelschalter. Jetzt dreht sich der Trend: Ergonomie und Ablenkungsfreiheit gewinnen gegenüber minimalistischer Optik wieder an Gewicht. Für Käufer im DACH-Raum, die hohe Ergonomie-Standards erwarten, ist Polestars Kurskorrektur ein relevantes Signal – auch mit Blick auf den Wettbewerb im Luxus-EV-Segment.