Ferrari hat am 25. Mai 2026 in Rom sein erstes Elektrofahrzeug enthüllt: den Luce. Das Besondere ist nicht nur die Leistung von 772 kW (1.035 PS) aus vier Radnabenmotoren, sondern ein Klangsystem, das konsequent auf synthetische V12-Imitation verzichtet. Europäische Auslieferungen beginnen im Oktober 2026; der Einstiegspreis liegt bei 550.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer.
Kein falsches Spiel mit dem Klang
Das sogenannte Luce-Soundsystem arbeitet mit einem Beschleunigungssensor in der Achse, der die echten Vibrationen der Elektromotoren erfasst. Diese Signale werden gefiltert, per Equalizer angepasst und dann verstärkt – ähnlich wie ein E-Gitarren-Verstärker ein ursprünglich leises Signal aufbereitet. Was dabei herauskommt, ist der tatsächliche Charakter des Elektroantriebs, keine Kulisse.
Damit setzt Ferrari einen anderen Kurs als etwa Hyundai mit dem Ioniq 5 N, der elektronisch Gangwechsel und Verbrennungsmotor-Verhalten simuliert. Auch Porsche hat vergleichbare Effekte in seine elektrischen Modelle eingebaut. Ferrari hingegen nutzt die großen Schaltwippen hinter dem Lenkrad ausschließlich für Rekuperation und Leistungsabgabe – kein virtuelles Schalten, keine Inszenierung.
Technik und Preis
Unter der Karosserie – entworfen von Jony Ive und seinem Studio LoveFrom – steckt eine 800-Volt-Architektur (lädt schneller als übliche 400-Volt-Systeme) mit einer 122-kWh-Batterie. Die Reichweite beträgt nach WLTP-Standard (EU-Normzyklus) über 530 km. Laden ist mit bis zu 350 kW Gleichstrom möglich; der Anschluss folgt dem CCS2-Standard. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt der Luce in 2,5 Sekunden.
Der Basispreis von 550.000 Euro schließt staatliche Förderung von vornherein aus: Den Umweltbonus des Bundes gibt es seit Dezember 2023 nicht mehr; die 0,25-Prozent-Dienstwagenregelung für Elektrofahrzeuge gilt nur bis zu einem Listenpreis von 70.000 Euro – der Luce liegt weit darüber. Auch die Schweizer und österreichischen Fördermodelle greifen bei diesem Preissegment nicht.
Limitiert, Maranello-gefertigt
Die Produktion bleibt in Maranello, ein deutsches oder europäisches Zweigwerk ist nicht geplant. Ferrari priorisiert Bestandskunden bei der Zuteilung; die genaue Stückzahl pro Markt ist nicht kommuniziert. Eine US-amerikanische Version soll ab dem zweiten Quartal 2027 folgen, ein offizieller US-Listenpreis steht noch aus.
Der Luce ist kein Massenmarkt-EV. Er ist ein Grand Tourer mit einem klaren Standpunkt: Der Klang eines Elektroautos muss sich nicht entschuldigen – er muss sich nur ehrlich anfühlen.