Dongfeng hat am 20. Mai 2026 in Wuhan ein neues Wasserstoff-Brennstoffzellensystem (FCEV – Brennstoffzellenfahrzeug) mit 400 kW Leistung für 49-Tonnen-Sattelzugmaschinen vorgestellt. Das System trägt den Namen „Hydrogen Core" und soll ab 2027 in Serie gehen. Für den DACH-Markt ist das Fahrzeug bislang nicht angekündigt – doch die technischen Eckdaten setzen einen globalen Vergleichsmaßstab, an dem sich Mercedes-Benz, Hyundai und Volvo messen lassen müssen.
Antrieb, Reichweite, Laden
Die Brennstoffzelle leistet 400 kW und ist für eine Lebensdauer von über 30.000 Stunden ausgelegt. Dongfeng gibt den Wasserstoffverbrauch mit 7 kg pro 100 km für eine vollbeladene 49-Tonnen-Zugmaschine an – gemessen unter realen Berg- und Flachlandbedingungen. Der Tank lässt sich in rund 15 Minuten befüllen. Die Eigenmasse des Sattelzugfahrzeugs beträgt 8,8 Tonnen.
Die angegebene Reichweite von 1.700 km basiert auf dem chinesischen CLTC-Testzyklus, der durch niedrigere Durchschnittsgeschwindigkeiten und häufigere Stopps optimistischere Werte liefert als der europäische WLTP-Standard. Der WLTP-Äquivalent liegt schätzungsweise bei rund 1.445 km – immer noch mehr als das Doppelte des Hyundai XCIENT (800 km) und vergleichbar mit den Ambitionen des Mercedes-Benz GenH2.
Zusätzlich hebt Dongfeng hervor, dass das System aus Metall-Bipolarplatten besteht und als erstes seiner Art in China einen 10.000-Stunden-Dauertest nach neuen nationalen Normen bestanden hat. Bislang haben Dongfeng-Wasserstofffahrzeuge – Lkw und Pkw zusammen – über eine Million Kilometer im realen Betrieb zurückgelegt; insgesamt verkaufte das Unternehmen mehr als 9.000 Brennstoffzellenfahrzeuge.
DACH-Markt: Etablierte OEMs sind näher an der Serienreife
Im DACH-Raum nimmt die Wasserstoff-Lkw-Adoption Fahrt auf: Im ersten Quartal 2026 entfielen 3,5 Prozent der Neuzulassungen schwerer Nutzfahrzeuge auf FCEV-Modelle – ein Anstieg von rund 400 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Logistikkonzerne wie DHL, Dachser und Girteka zählen zu den frühen Abnehmern.
Mercedes-Benz GenH2 hat bereits mehr als 2.000 Vorbestellungen und plant die Serienproduktion für 2026 bis 2027. Volvo erprobt seinen H2-FCEV auf europäischen Korridoren, IVECO lieferte 2025 erste S-eWay-Einheiten an BMW Logistics, und Scania testet ebenfalls Wasserstoffantriebe. Im Rahmen der EU-geförderten Programme H2Haul und H2Accelerate TRUCKS sollen bis Ende 2026 mindestens 125 Brennstoffzellen-Lkw auf europäischen Strecken rollen – darunter Achsen im Ruhrgebiet, in Köln und auf Alpenkorridoren durch Österreich und die Schweiz.
Genau hier liegt Dongfengs stärkstes Argument: Die bestätigte Kaltstartfähigkeit bei -40°C ist für Alpine- und Nordictests ein kritisches Kriterium. Ob das System die europäischen Homologationsanforderungen erfüllen kann und wann ein Markteintritt in die EU realistisch wäre, lässt Dongfeng offen. Ein konkreter Export-Fahrplan existiert nicht.
Ausblick
Serienproduktion ist für 2027 angekündigt – zunächst ausschließlich für den chinesischen Markt und dortige Logistikkorridore. Für DACH-Flottenbetreiber bleibt der GenH2 von Mercedes-Benz vorerst die nächste seriennahe Option. Dongfengs Spezifikationen erhöhen jedoch den Innovations- und Preisdruck auf alle etablierten Anbieter – und das ist für den Markt keine schlechte Nachricht.