Der erste vollelektrische Ferrari kommt mit 1.035 PS und einem Preis von 550.000 Euro – doch im Netz dominiert nicht die Technik, sondern der Spott über ein Design ohne Ferrari-Identität.

Ferrari hat in Rom seinen ersten vollelektrischen Serienwagen vorgestellt: den Luce. Das Fünfsitzer-GT mit 1.035 PS (761 kW) aus vier Elektromotoren beschleunigt in 2,5 Sekunden auf 100 km/h und erreicht laut Hersteller 530 Kilometer Reichweite nach WLTP-Norm (EU-Teststandard). Der Einstiegspreis liegt bei 550.000 Euro inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer. Die Reaktion? Ein Aktienkurs, der am Präsentationstag um 8 Prozent einbrach.

Design ohne Kanten – und ohne Ferrari-DNA

Entworfen wurde der Luce vom Designkollektiv LoveFrom unter Leitung von Jony Ive, bekannt für seine Arbeit bei Apple. Genau das wurde in sozialen Netzwerken sofort zum Problem: Nutzer verglichen das Fahrzeug mit einer Apple Magic Mouse, einem Nissan Leaf, einem Toaster und generischen Elektro-Crossovern. Die Kritik richtet sich nicht gegen den Elektroantrieb selbst, sondern gegen das Fehlen jeglicher Ferrari-typischen Formensprache.

Am deutlichsten brachte das ausgerechnet ein Schokoladenhersteller auf den Punkt. Toblerone veröffentlichte ein Bild seines bekannten Dreieck-Riegels – vollständig geglättet, ohne Kanten, in einem hellen Blauton passend zu den Präsentationsfotos des Luce. Der Begleittext war unmissverständlich: „Das wird nicht passieren. Wir behalten unsere Kanten immer." — Carscoops Toblerone Ferrari Luce

Montezemolo gegen Maranello

Weit über Memes hinaus geht die Kritik von Luca di Montezemolo, der Ferrari 23 Jahre lang als Vorstandsvorsitzender führte. Er erklärte öffentlich, Ferrari riskiere mit dem Luce, seine eigene Legende zu zerstören – und schlug vor, das springende Pferd lieber ganz vom Fahrzeug zu entfernen. Mit einem Seitenhieb fügte er hinzu, selbst chinesische Hersteller hätten wohl wenig Interesse daran, dieses Design zu kopieren.

Technik überzeugt, Positionierung bleibt offen

Die Fahrleistungen des Luce sind objektiv beeindruckend. Vier Elektromotoren, kombiniert 1.035 PS, 530 Kilometer WLTP-Reichweite und ein fünfsitziges Raumkonzept: Ferrari will Hochleistung mit Alltagstauglichkeit verbinden. Der Luce lädt über CCS2.

Für DACH-Käufer gilt: Europäische Auslieferungen sollen ab Q4 2026 starten, DACH-spezifische Preise und Händlerkontingente sind bislang nicht kommuniziert. Einen Umweltbonus gibt es seit Dezember 2023 nicht mehr. Die Dienstwagen-Regelung mit 0,25 Prozent des Listenpreises gilt nur für Elektrofahrzeuge bis 70.000 Euro Listenpreis – der Luce liegt weit darüber. Steuerbefreiung bei der Kfz-Steuer (10 Jahre ab Erstzulassung) bleibt der einzige staatliche Vorteil.

Im Performance-Luxussegment trifft der Luce auf den Porsche Taycan Turbo GT (ab rund 195.000 Euro im DACH-Raum). Ob der Luce dort punkten kann, entscheidet sich nicht allein an der Beschleunigungszeit – sondern daran, ob das Design beim Käufer dieses Preissegments ankommt. Die bisherige Reaktion des Marktes spricht eine deutliche Sprache.