SAIC investiert 200 Millionen Euro in ein Werk nahe Ferrol in Galicien. Der Schritt ist eine direkte Antwort auf die 45-Prozent-EU-Zölle auf chinesische Elektroautos – und soll MG in Deutschland günstiger machen.

MG wächst in Deutschland schneller als fast jeder andere Anbieter: 26.479 Neuzulassungen im Jahr 2025, ein Plus von 26,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Marktanteil von 0,9 Prozent. Jetzt legt die SAIC-Tochter nach: Der chinesische Mutterkonzern investiert 200 Millionen Euro in ein Fahrzeugwerk im galizischen Ferrol – laut El Economista explizit als Reaktion auf die EU-Zölle von 45 Prozent auf chinesische Elektrofahrzeuge.

Werk, Kapazität, Zeitplan

Die Fabrik soll Ende 2028 den Betrieb aufnehmen, mit einer Kapazität von bis zu 120.000 Fahrzeugen pro Jahr. Über 2.300 Arbeitsplätze sind geplant. SAIC versteht das Werk nicht als reinen Montagestandort: Geplant ist ein industrielles Vollzentrum mit Entwicklung, Komponentenlieferung und Logistik. Als Kooperationspartner nennt das Unternehmen europäische Zulieferer sowie Universitäten und Forschungseinrichtungen – konkrete Namen wurden bislang nicht genannt. Schwerpunkte sollen Batterietechnologie und Software für elektrifizierte Antriebe sein.

Für MG bedeutet lokale EU-Produktion vor allem eines: Fahrzeuge, die in Spanien montiert werden, unterliegen nicht den Ausgleichszöllen der EU-Kommission (CVD – Countervailing Duties). Das macht sie im Vergleich zu direkt aus China importierten Modellen strukturell wettbewerbsfähiger.

Neue Modelle und Händlernetz für Deutschland

Bis Mitte 2026 will MG das deutsche Händlernetz von rund 180 auf etwa 210 Standorte ausbauen. Langfristig sind 250 bis 300 Partnerbetriebe angepeilt, berichtet Motormobiles. Parallel dazu kommen 2026 drei bis vier neue Modelle: ein C-Segment-Elektro-SUV sowie ein Stadtstromer für unter 25.000 Euro, der direkt gegen den Dacia Spring und die günstigsten ID.3-Varianten positioniert werden soll.

Den MG4 EV – bisher das meistverkaufte Modell in Deutschland – gibt es ab 2026 mit zwei Akkuvarianten: 64 kWh (Lithium-Eisenphosphat, LFP) mit 452 km Reichweite nach WLTP und 77 kWh (NCM-Zellen) mit 545 km WLTP. Geladen wird über CCS2 (europäischer Ladestecker-Standard). Die ADAC-Testdaten vom März 2026 bestätigen diese Herstellerangaben.

Was das für Käufer bedeutet

Den Umweltbonus hat die Bundesregierung zum 17. Dezember 2023 eingestellt – MG-Käufer erhalten keine staatliche Kaufprämie mehr. Steuerlich bleibt die Situation für Privatleute und Dienstwagenfahrer aber interessant: Elektroautos sind zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit, und Dienstwagen mit einem Listenpreis bis 70.000 Euro werden mit nur 0,25 Prozent monatlich versteuert – der halbe Satz gegenüber einem Verbrenner. In Österreich gibt es weiterhin einen e-Mobilitätsbonus von 5.000 Euro; in der Schweiz existiert kein Bundesbonus.

Das Ziel 1 Prozent Marktanteil in Deutschland ist sportlich, aber nicht unrealistisch – sofern die neuen Modelle termingerecht kommen und die Preise halten.