Lexus begrub das geplante Elektro-Sedan-Projekt IS still und leise. Im Frühjahr 2026 kommt stattdessen der neue ES 350e nach Deutschland – mit 610 km WLTP-Reichweite und einem Einstiegspreis ab rund 56.000 Euro.

Lexus hat das geplante Elektro-Sedan-Projekt IS offiziell eingestellt. Laut einem Bericht von InsideEVs – der sich auf die Wirtschaftszeitung Nikkei stützt – war nachlassende Nachfrage nach Elektrolimousinen der Hauptgrund. Für den deutschen Markt ist die Nachricht vor allem deshalb relevant, weil Lexus zeitgleich seinen neuen ES 350e für das Frühjahr 2026 ankündigt – eine Elektrolimousine, die die entstandene Lücke füllen soll.

Antrieb, Reichweite und Laden

Der neue Lexus ES 350e kommt als rein elektrische Variante des überarbeiteten ES. Ein Frontmotor mit 165 kW (224 PS) treibt die Vorderräder an. Die Batterie fasst 77 kWh, die Reichweite gibt Lexus mit bis zu 610 km nach WLTP (europäischer Normverbrauchszyklus) an – ein solider Wert im Segment, wenngleich konservative 530 km im Stadtverkehr realistischer sein dürften, wie Auto Zeitung berichtet.

Beim Laden setzt der ES 350e auf den europäischen CCS2-Standard. Die maximale Gleichstrom-Ladeleistung beträgt 150 kW – ausreichend für zügige Ladevorgänge an öffentlichen Schnellladestationen, aber kein Spitzenwert im Wettbewerbsumfeld. Zum Vergleich: Audi A6 e-tron und BMW i5 schaffen bis zu 270 bzw. 205 kW.

Preise, Förderung und Wettbewerber

In Deutschland soll der ES 350e ab rund 56.000 Euro (inkl. 19 % MwSt.) erhältlich sein – eine offizielle Preisbestätigung von Lexus Deutschland steht noch aus. Staatliche Kaufprämien entfallen: Der Umweltbonus wurde am 17. Dezember 2023 eingestellt. Wer den ES 350e als Firmenwagen nutzt, profitiert hingegen von der 0,25-%-Versteuerungsregel, da der Listenpreis unter der 70.000-Euro-Grenze liegt. In Österreich gilt weiterhin der e-Mobilitätsbonus von 5.000 Euro für Privatleute; in der Schweiz gibt es keinen Bundesbonus.

Im Wettbewerb trifft der ES 350e auf etablierte Elektrolimousinen: BMW i5, Mercedes EQE und Audi A6 e-tron bieten teils höhere Ladeleistung und ein breiteres Händlernetz. Lexus punktet traditionell mit Zuverlässigkeit und langen Serviceintervallen – Argumente, die gerade bei Flottenkunden zählen.

Warum der IS gestrichen wurde

Das abgesagte IS-Elektroprojekt sollte ursprünglich 2026 anlaufen, wurde dann auf Mitte 2027 verschoben – und ist nun ganz vom Tisch. Das Konzept orientierte sich am LF-ZC-Showcar von 2023 mit sportlichem Silhouettendesign. Berichten zufolge war sogar eine Topversion mit rund 368 kW (500 PS) und bis zu 1.000 km Reichweite in der Entwicklung, möglicherweise mit Feststoffakku-Technologie. Lexus entschied sich stattdessen für eine Fokussierung auf Elektro-SUVs und -Crossover – Segmente mit stabiler Nachfrage weltweit.

Der Verbrenner-IS, dritte Generation seit 2013, bleibt vorerst im Programm und wird weiterhin mit 3,5-Liter-V6 angeboten. Mit dem ES 350e setzt Lexus nun auf eine pragmatischere Elektrostrategie – weniger Nischenmodelle, mehr Volumen.