Nissan und die britische Gelion entwickeln gemeinsam Lithium-Schwefel-Feststoffbatterien. Zielkosten: rund 69 Euro pro kWh bis 2028 – doch ein Europa-Start bleibt vorerst unbestätigt.

Nissan treibt die Entwicklung von Feststoffbatterien mit einem neuen Forschungsverbund voran. Der japanische Hersteller kooperiert künftig mit dem britischen Batterieunternehmen Gelion, der Universität Oxford – und dem Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Deutschland. Ziel des auf drei Jahre angelegten Projekts namens CoRe-SoLiS ist eine Lithium-Schwefel-Feststoffbatterie, die billiger und leistungsfähiger sein soll als aktuelle Lithium-Ionen-Akkus. Für den europäischen Markt bleibt der Zeitplan allerdings vage.

Technologie und Kostenziele

Der Kern der Entwicklung ist Gelions NES-Kathode (Nano-Encapsulated Sulfur): Teures Nickel und Kobalt werden durch reichlich verfügbaren Schwefel ersetzt. Das soll die Materialkosten erheblich drücken. Laut Nissan Newsroom DE peilt Nissan Zellkosten von rund 69 Euro pro kWh bis zum Geschäftsjahr 2028 an – ein weiterer Rückgang auf etwa 59 Euro pro kWh ist mittelfristig geplant. Zum Vergleich: Aktuelle Lithium-Ionen-Zellen kosten in der Großserie noch deutlich über 100 Euro pro kWh.

Nissan nennt zudem das Ziel einer doppelten Energiedichte gegenüber heutigen Lithium-Ionen-Akkus. Aus dieser Annahme wird eine potenzielle Reichweite von über 1.000 km abgeleitet – allerdings ohne bestätigte Messung nach dem europäischen WLTP-Normverbrauchszyklus. Solche Angaben sind mit Vorsicht zu genießen, bis Prüfstandsdaten vorliegen.

Das Forschungsbudget des CoRe-SoLiS-Projekts beträgt 3,4 Millionen Pfund (rund 4,0 Millionen Euro), davon stammen 2,4 Millionen Pfund aus einem Innovate-UK-Förderprogramm. Das Projekt startete im Juni 2026, wie electrive.com berichtet.

Zeitplan und Marktstart

Für 2027 kündigt Nissan einen Prototypen an, für 2028 den Serienstart. Wo genau die Technologie zuerst in Fahrzeuge einzieht, ist noch offen: Ein explizites Markteinführungsversprechen für Deutschland oder Europa gibt es bislang nicht. Japan dürfte Priorität haben – das ist bei Nissan-Technologieprojekten historisch die Regel.

Das Konzept soll zudem fertigungskompatibel mit bestehenden Produktionslinien sein, was einen späteren Einsatz in europäischen Werken grundsätzlich erleichtern würde. Welches Fahrzeugsegment – Limousine, Crossover oder anderes – als erstes profitiert, hat Nissan nicht kommuniziert.

Einordnung für den Kaufentscheid

Wer heute ein Elektroauto kauft oder least, muss mit dem bestehenden Lithium-Ionen-Angebot planen. Der Umweltbonus wurde in Deutschland zum 17. Dezember 2023 eingestellt; der österreichische E-Mobilitätsbonus von 5.000 Euro und die zehnjährige Kfz-Steuerbefreiung in Deutschland bleiben hingegen bestehen. Die Feststoffbatterie-Versprechen der Hersteller sind langfristige Signale, kein Argument für einen aufgeschobenen Kauf – 2028 ist noch über zwei Jahre entfernt, und ein Händlerstart in Deutschland erst danach realistisch.