Mit der Blade Battery 2.0 lädt der Denza Z9GT in neun Minuten von 10 auf 97 Prozent – selbst bei minus 30 Grad dauert es nur zwölf Minuten. BYD plant bis Ende 2026 rund 300 solcher Stationen in Deutschland.

BYD hat im Mai 2026 die erste kommerzielle Flash-Charging-Station mit einer Anschlussleistung von 1.500 kW in Deutschland eröffnet – nach eigenen Angaben die erste Megawatt-Ladeanlage für die öffentliche Nutzung in Europa. Der genaue Standort ist bislang nicht öffentlich bekannt. Zum Vergleich: Die schnellsten heute verbreiteten Säulen in Deutschland liefern 150 bis 350 kW. Damit setzt BYD einen neuen technischen Referenzpunkt – sofern die angekündigten Ausbauzahlen eingehalten werden.

Ladetechnik und Reichweite

Die Station arbeitet mit dem europäischen Ladestecker-Standard CCS2 und der zweiten Generation des Flash Chargers. Kompatible Fahrzeuge mit Blade Battery 2.0 – einer Lithium-Mangan-Eisenphosphat-Zelle mit Silizium-Kohlenstoff-Anode – laden angeblich von 10 auf 70 Prozent in fünf Minuten, von 10 auf 97 Prozent in neun Minuten. Bei minus 30 Grad verlängert sich der Ladevorgang von 20 auf 97 Prozent laut BYD auf zwölf Minuten, also drei Minuten mehr als bei Raumtemperatur.

Das erste kompatible Modell auf dem deutschen Markt ist der Denza Z9GT, ein Kombi aus dem BYD-Premiumableger Denza, der ab 115.000 Euro erhältlich ist. Die WLTP-Reichweite liegt bei 372 km aus einem 122,5-kWh-Akku. Technische Hinweise deuten darauf hin, dass ein einzelner CCS2-Stecker die volle 1.500-kW-Leistung möglicherweise nicht allein überträgt; 1.500 kW könnten zwei Kabel erfordern. BYD hat dazu noch keine offiziellen EU-Spezifikationen veröffentlicht.

BYD Flash Charging Station der zweiten Generation: Die 1.500-kW-Anlage nutzt den CCS2-Standard und ist auf kompatible Fahrzeuge mit Blade Battery 2.0 ausgelegt.

Ausbau und Kosten in Deutschland

BYD plant bis Ende 2026 rund 300 Flash-Charging-Stationen in Deutschland, integriert ins Händlernetz. Europaweit sollen 3.000 Standorte entstehen – die Hälfte des globalen Ziels von 6.000 Stationen außerhalb Chinas. Als Orientierungswert gilt ein Ladetarif von etwa 0,58 Euro pro kWh, der aus dem britischen Markt stammt; ein deutscher Tarif ist noch nicht bestätigt.

Parallel dazu baut Denza sein Vertriebsnetz in Deutschland aus: Bis Ende 2026 sind 40 Denza-Stores geplant. Die Zulassungszahlen von BYD insgesamt haben sich zuletzt deutlich erhöht – im Mai 2026 wurden 6.168 BYD-Fahrzeuge in Deutschland neu zugelassen, ein Plus von 232 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat; das entspricht einem Marktanteil von 2,6 Prozent.

Förderung und Marktumfeld

Der Umweltbonus ist seit dem 17. Dezember 2023 eingestellt; eine staatliche Kaufprämie entfällt damit. Für Elektrofahrzeuge bis 70.000 Euro Bruttolistenpreis gilt die günstige 0,25-Prozent-Regelung bei der Dienstwagen-Versteuerung. Die zehnjährige Kfz-Steuerbefreiung für reine Elektroautos bleibt bestehen. Der Denza Z9GT liegt mit 115.000 Euro oberhalb der Förderschwellen und richtet sich an ein Käufersegment, das Ladegeschwindigkeit und Reichweitensicherheit über den Kaufpreis stellt – ähnlich wie Porsche Taycan oder Mercedes EQS.

BYDs Ladestrategie zielt auf die vollständige Kontrolle über das Lade-Ökosystem: eigene Batterie, eigene Ladetechnik, eigenes Netz. Ob das Händlernetz die angekündigten 300 Standorte bis Jahresende tatsächlich realisiert, bleibt abzuwarten – unabhängige Bestätigungen aus der deutschen Fachpresse stehen noch aus.