Chinas neue 100-km-Mindestreichweite für Plug-in-Hybride macht klassische europäische PHEV-Modelle steuerlich unattraktiv. BMW verkaufte von Januar bis April 2025 gerade noch 116 Plug-in-Hybride im größten Einzelmarkt der Welt.

BMW, Mercedes-Benz und Audi ziehen sich aus dem chinesischen Plug-in-Hybrid-Segment (PHEV) zurück – erzwungen durch eine Regulierung, die seit Januar 2026 mindestens 100 km elektrische Reichweite für Steuervorteile verlangt. Das trifft die deutschen Konzerne hart: BMW verkaufte von Januar bis April 2025 in China lediglich 116 PHEV-Einheiten, Mercedes-Benz 699. Ein Jahr zuvor waren es noch 141 beziehungsweise 4.171 Fahrzeuge. Für Hersteller, die China als wichtigsten Gewinnpuffer nutzen, ist das eine strategische Zäsur.

Regulierung als Scheidepunkt

Bis Ende 2025 genügten 43 km elektrische Mindestreichweite, um in China als „New Energy Vehicle" zu gelten und damit von Steuerbefreiungen zu profitieren. Die neue Grenze von 100 km – kombiniert mit strengeren Verbrauchsvorgaben im Verbrennerbetrieb – trifft vor allem Modelle mit kleinen Akkus, wie sie europäische Hersteller bislang typischerweise bauten. Mercedes bestätigte den schrittweisen Rückzug bereits im Quartalsbericht; Audi erklärte, die künftige China-Strategie auf Verbrennungsmotoren und reine Elektrofahrzeuge zu konzentrieren. Einzige Ausnahme unter den europäischen Premiummarken bleibt Porsche, das Hochleistungs-PHEVs wie den Panamera Turbo E-Hybrid weiter im Programm behält.

Chinesische Hersteller setzen andere Maßstäbe

Während europäische Anbieter das Feld räumen, bauen chinesische Marken ihre Position massiv aus. BYD verkaufte von Januar bis April 2025 rund 251.500 Plug-in-Hybride in China. Zeekr, Lynk & Co und Denza kamen zusammen auf weitere 80.000 Einheiten – Größenordnungen, mit denen BMW und Mercedes schlicht nicht mithalten. Technisch gehen chinesische Marken dabei einen anderen Weg: Li Auto, Xpeng oder Aito setzen auf EREV-Architekturen (Extended Range Electric Vehicle, auf Deutsch: Reichweitenverlängerter Elektroantrieb), bei dem ein Verbrennungsmotor ausschließlich als Generator fungiert – kein klassischer Parallelhybrid mehr, sondern ein elektrisch fahrendes Fahrzeug mit Reichweitenreserve von 300 bis über 400 km.

Was das für deutsche Standorte bedeutet

Für BMW, Mercedes und die VW-Gruppe – darunter Audi und Porsche – bedeutet der China-Rückzug weniger Volumen und Margendruck, der auf die globale Profitabilität durchschlägt. BMW Group verlor 2024 in China 13,4 Prozent; Mercedes-Benz büßte 7 Prozent ein, Audi 5 Prozent. Zusammen entspricht das laut Branchenquellen rund 260.000 fehlenden Einheiten gegenüber dem Vorjahr, wie Automobilwoche berichtet.

Für Zulieferer wie Bosch, ZF und Continental kommt ein weiteres Signal hinzu: Die EREV-Architektur, die chinesische Hersteller standardisieren, erfordert andere Komponenten als der klassische Parallelhybrid. BMW prüft Medienberichten zufolge, ob 7er und X5 für solche Antriebssysteme angepasst werden könnten. Die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit bleibt offen – zumal unterschiedliche Regulierungen in der EU, den USA und China eine einheitliche Plattformstrategie erschweren. Der europäische Markt folgt eigenen Regeln: Der Umweltbonus für Plug-in-Hybride wurde in Deutschland bereits 2022 abgeschafft; die 0,25-Prozent-Dienstwagenregel gilt hier nur für reine Elektrofahrzeuge bis 70.000 Euro UVP.