Schwedens Verkehrsbehörde TRV hat am 30. April 2026 einen formellen Brief an den Technischen Ausschuss für Kraftfahrzeuge der EU (TCMV) geschickt – mit einer klaren Forderung: Teslas Full Self-Driving (FSD, Level-2-Fahrassistenz mit Hands-Off-Betrieb) darf in der EU nicht zugelassen werden, solange die sogenannte Speed-Offset-Funktion nicht entfernt wird. Für Deutschland, wo das Kraftfahrtbundesamt (KBA) ohnehin eigene Hochgeschwindigkeitstests fordert, verschiebt sich ein möglicher Marktstart weiter in Richtung 2027.
Speed Offset: Warum Schweden auf der Bremse steht
Speed Offset erlaubt es dem FSD-System, das Fahrzeug systematisch schneller als das ausgeschilderte Tempolimit zu bewegen. Bei adaptiver Geschwindigkeitsregelung im klassischen Sinne ist eine geringe Toleranz nicht ungewöhnlich, doch die TRV setzt bei automatisierten Systemen einen anderen Maßstab: Software, die teilweise die Kontrolle über das Fahrzeug übernimmt, müsse das Straßenverkehrsrecht ohne Ausnahme einhalten. Finnland und Norwegen haben laut Medienberichten ähnliche Bedenken in Konsultationen geäußert, jedoch noch keine formellen TCMV-Schreiben eingereicht.
Bereits zugelassen ist FSD in den Niederlanden (10. April 2026), Litauen (20. Mai), Estland (29. Mai), Dänemark (9. Juni) und Belgien (Mitte Juni). Diese Länder betonen, dass der Fahrer auch beim Einsatz automatisierter Funktionen jederzeit die Verantwortung behält und eingreifen muss.
TCMV-Abstimmung und das Risiko für alle nationalen Zulassungen
Der TCMV trifft sich am 30. Juni 2026 zur Diskussion – ein formeller Abstimmungstermin steht noch nicht fest, voraussichtlich nach dem Sommer. Für eine EU-weite Freigabe braucht Tesla eine qualifizierte Mehrheit: mindestens 15 der 27 Mitgliedstaaten, die zusammen 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren (laut t3n).
Scheitert die Abstimmung, hat das unmittelbare Folgen: Die provisorische RDW-Genehmigung der Niederlande erlischt automatisch nach sechs Monaten – und damit entfallen auch alle anderen nationalen Einzelgenehmigungen. Schweden allein kann das Quorum zwar nicht kippen, doch eine Koalition mit weiteren skeptischen Ländern würde die erforderliche Mehrheit gefährden (berichtet InsideEVs).
Was das für Deutschland bedeutet
In Deutschland ist FSD (Supervised) bis dato nicht zugelassen – Stand Q2 2026. Das KBA erwartet nach einer etwaigen EU-Freigabe zusätzliche Validierungstests bei Geschwindigkeiten über 130 km/h, wie sie auf deutschen Autobahnen ohne Tempolimit möglich sind. Dieser Prozess nimmt nach KBA-Einschätzung weitere drei bis vier Monate in Anspruch.
Zum Vergleich: Die einzige in Deutschland genehmigte Level-3-Fahrautomatik ist bisher der Mercedes Drive Pilot, der unter definierten Bedingungen auf der Autobahn bis 60 km/h hände-frei fährt. Tesla FSD bleibt Level 2 – der Fahrer muss stets aufmerksam bleiben und jederzeit eingreifen können.
Ob Tesla die Speed-Offset-Funktion für den EU-Markt deaktiviert, hat das Unternehmen bislang nicht öffentlich kommentiert. Technisch soll es machbar sein, wie ein internes Gutachten andeutet. Für Interessierte gilt: Ein realistischer Marktstart in Deutschland ist frühestens 2027 zu erwarten.