Qualitätsmängel durch überhasteten KI-Einsatz kosteten Ford Milliarden – und 164.000 betroffene Diesel-Fahrzeuge in Deutschland zeigen, wer die Zeche zahlt.

Ford hat über 350 erfahrene Ingenieure reaktiviert, nachdem der Konzern durch den übereilten Einsatz von KI-gestützter Qualitätskontrolle Milliardenverluste durch Rückrufe und Garantiekosten erlitten hatte. Allein in Deutschland sind 164.000 Euro-6-Dieselfahrzeuge wegen Partikelfilter-Defekten zurückgerufen worden (KBA-Code 24E06). Das Ergebnis des Kurswechsels: Beim JD-Power-Qualitätsranking 2026 steht Ford erstmals seit 16 Jahren auf Platz eins unter den Volumenhersteller-Marken.

Rückrufe mit KBA-Kennung

In Deutschland sind Modelle der Baureihen Fiesta, Focus, Kuga, Mondeo, Ranger und die Transit-Familie betroffen – Baujahre 2014 bis 2020. Der Defekt liegt in der Konstruktion des Partikelfilters. Die Abhilfe besteht je nach Fahrzeug aus einer Software-Rekalibrierung sowie dem physischen Austausch von Bauteilen; beides ist für Halter kostenlos. Zusätzlich wurden über 19.000 Ford Kuga in Deutschland wegen Brandgefahr durch fehlerhafte 1,5-Liter-EcoBoost-Kraftstoffeinspritzer zurückgerufen (KBA-Code 25S76, Produktionszeitraum 19. November 2018 bis 28. Mai 2024). Eine dauerhafte Hardware-Lösung steht noch aus; bis dahin begrenzt eine Software-Maßnahme den Ladezustand der Batterie auf 80 Prozent. Betroffene Halter sollten Kontakt zu einem Ford-Händler aufnehmen.

Weitere Informationen zu beiden Rückrufen hat der ADAC dokumentiert.

KI ohne Ingenieur – ein teures Experiment

Charles Poon, Vizepräsident für Fahrzeug-Hardware-Entwicklung bei Ford, räumte gegenüber Journalisten ein, das Unternehmen habe geglaubt, technische Anforderungen in ein KI-System einzuspeisen genüge, um qualitativ hochwertige Konstruktionslösungen zu erhalten. Diese Annahme erwies sich als falsch. Algorithmen liefern nur dann verlässliche Ergebnisse, wenn die Trainingsdaten stimmen und erfahrene Fachleute die Ausgaben prüfen. Ford hatte jedoch viele langjährige Ingenieure entlassen, bevor deren Wissen systematisch in digitale Prozesse überführt werden konnte – ein Fehler, den der Konzern nun mit konkreten Personalentscheidungen korrigiert.

Die mehr als 350 zurückgekehrten Veteranen übernehmen Fehleranalysen, schulen jüngere Kollegen und bereinigen die Datenbasis, auf der die KI-Systeme trainiert werden. Defekte sollen so künftig in der Entwicklungsphase erkannt werden – bevor sie in Serienfahrzeugen landen.

Qualitätsranking als Maßstab

Das Ergebnis ist messbar: Im JD-Power-Qualitätsranking 2026 verdrängt Ford Toyota und Honda und belegt erstmals seit 16 Jahren den ersten Rang unter den Volumenhersteller-Marken, laut Blogspan. Zuvor hatte der Konzern auf Platz zehn gelegen. Wann sich dieser Trend in neu ausgelieferten Fahrzeugen in deutschen Showrooms niederschlägt, lässt Ford bislang offen. Händler und Käufer warten auf konkrete Belege – die offenen Rückrufe sind dabei keine gute Visitenkarte.

Ford ist mit diesem Problem nicht allein: General Motors und Rivian haben ähnliche Erfahrungen gemacht, nachdem sie Stellen im Bereich Fertigung und Konstruktion gestrichen hatten, und mussten ebenfalls Fachkräfte zurückholen. Die Branche lernt: Künstliche Intelligenz beschleunigt Prüfprozesse, ersetzt aber kein ingenieursmäßiges Urteilsvermögen, das über Jahre Praxiserfahrung wächst.