Nach elf Monaten im US-Werk Spartanburg weitet BMW die Humanoid-Robotik auf das Leipziger Werk aus – mit dem AEON-Roboter von Hexagon Robotics für die Hochvolt-Akku-Fertigung.

BMW bringt humanoide Roboter nach Deutschland: Ab Sommer 2026 testet das Werk Leipzig den AEON-Roboter des Züricher Unternehmens Hexagon Robotics in der Hochvolt-Akkumodul- und Komponentenfertigung. Es ist der erste europäische Einsatz dieser Art – und er folgt auf einen 11-monatigen Pilotbetrieb im US-amerikanischen Werk Spartanburg, der laut BMW Group Press technisch als Erfolg gewertet wird.

Ergebnisse aus Spartanburg

Im südkarolinischen Werk Spartanburg arbeitete der Roboter Figure 02 von 2024 bis 2025 im Karosseriebau: Er platzierte Blechteile vor dem Schweißen mit einer Toleranz von 5 Millimetern und einem Takt von 37 Sekunden pro Ladevorgang. In 1.250 Betriebsstunden bewegte er dabei mehr als 90.000 Komponenten – parallel zur Produktion von über 30.000 Einheiten des BMW X3 (G45). Der Nachfolger Figure 03 übernimmt nun eine andere Aufgabe: Statt Karosserieteile zu positionieren, sortiert er unsortierte Komponenten aus Großbehältern und legt sie in Sequenzwagen – geordnet nach der Reihenfolge, in der sie an der Montagelinie gebraucht werden. Automatische Transportplattformen liefern die Wagen direkt zur Linie. Figure 03 ist dafür mit taktilen Sensoren und Kameras in den Handflächen ausgestattet, dazu kommen Wireless-Charging und die Möglichkeit zur Sprachkommunikation mit Mitarbeitern, berichtet Figure AI.

AEON in Leipzig und das iFACTORY-System

In Leipzig kommt kein Figure-Roboter zum Einsatz, sondern der AEON von Hexagon Robotics – einem Unternehmen mit Hauptsitz in Zürich, das seit Jahren mit BMW in der Sensorik und Software-Integration zusammenarbeitet. Die genauen technischen Spezifikationen des AEON, etwa Taktzeit oder Fehlerrate, hat BMW bislang nicht veröffentlicht. Der Zeitplan sieht vor: Testbetrieb ab Dezember 2025, Validierung im April 2026, vollständiger Pilotbetrieb ab Sommer 2026.

Eingebettet ist der Robotereinsatz in BMWs iFACTORY-Konzept. Das virtuelle Planungswerkzeug „Virtual Factory" simuliert Bewegungsabläufe und ergonomische Risiken, bevor Maschinen oder Menschen eine neue Aufgabe übernehmen. Das KI-Qualitätssystem AIQX (Artificial Intelligence Quality Next) überwacht Fertigungsschritte in Echtzeit per Kamera und Sensor und leitet Auffälligkeiten sofort an Mitarbeiter-Mobilgeräte weiter. BMW gibt an, dass die Virtual Factory die Planungskosten um bis zu 30 Prozent senkt.

Keine Stellungnahme der IG Metall

BMW betont, humanoide Roboter nicht als Ersatz für Beschäftigte zu verstehen, sondern für monotone, körperlich belastende oder sicherheitskritische Tätigkeiten einzusetzen. Wie die IG Metall den Einsatz humanoider Systeme in deutschen Werken bewertet, ist bislang nicht öffentlich kommuniziert worden. Wirtschaftlich ist das Modell auf einen RaaS-Ansatz (Robot-as-a-Service) ausgelegt: Figure AI berechnet rund 25 US-Dollar pro Roboter-Betriebsstunde; langfristig sollen die Stückkosten bis 2030 unter 17.000 Euro fallen. Ob und wann ein breiterer Rollout auf weitere BMW-Standorte wie München oder Regensburg folgt, hat das Unternehmen noch nicht kommuniziert.