Ford schickt 2027 einen Hypercar-Werksrennwagen zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Der Antrieb: ein 5,4-Liter-V8-Saugmotor auf Basis des Coyote-Aggregats aus dem Mustang-GT3-Programm. Es ist die erste Rückkehr als Werksteam in die oberste Langstrecken-Klasse seit dem gescheiterten C100-Projekt von 1982 – und der erste echte Angriff auf den Gesamtsieg seit den vier GT40-Siegen zwischen 1966 und 1969.
Antrieb und Technik
Der V8 arbeitet im LMDh-Reglement (Le Mans Daytona h), das ein einheitliches Hybridsystem vorschreibt. Die kombinierte Systemleistung ist auf 500 kW / 680 PS begrenzt – davon liefert das Elektro-Rückgewinnungssystem (ERS) rund 50 kW. Ford entwickelte den Motor intern in Dearborn; Red Bull Powertrains war beratend eingebunden, ein Team, das durch die F1-Motorenentwicklung bekannt ist.
Der Saugmotor-Ansatz ist eine bewusste Abgrenzung: BMW setzt im LMDh auf einen Turbo-V8, Porsche auf einen Biturbo-Motor, Lamborghini ebenfalls auf Aufladung. Ford bleibt ohne Lader – ein technisches Statement mit direktem Verweis auf die Motorsport-Tradition des Hauses.
Das Chassis liefert Oreca, das gleiche Unternehmen, das auch die Plattform für Alpine, Genesis und Acura bereitstellt. Aerodynamisch folgt der Wagen den Klassen-Vorgaben: breiter Heckflügel, charakteristischer Mittelflosse auf dem Motordeckel, Dachlufteinlass, schmale Fahrzeugfront.
Fahrer, Zeitplan und Wettbewerb
Für die beiden Werksautos stehen sechs Fahrer fest: Mike Rockenfeller (DE), Tom Blomqvist (SE), Sebastian Priaulx (GB), Matt Campbell (AU), Nick Yelloly (GB) und Logan Sargeant (US). Rockenfeller, ehemaliger DTM-Champion und Le-Mans-Sieger, ist dabei das bekannteste Gesicht für das deutschsprachige Publikum.
Die Testprogramm startet angeblich im August 2026 auf mehreren europäischen Rennstrecken – ein konkretes Datum und eine finale Designenthüllung stehen noch aus. Bislang zeigt Ford das Auto nur in Tarnung.
Im Wettbewerb trifft Ford 2027 auf ein breites Feld: McLaren debütiert mit dem MCL-HY (3,0-Liter-Biturbo-V6), Genesis startete bereits 2025 mit dem GMR-001, dazu kommen Porsche, BMW, Cadillac, Alpine und Lamborghini in der LMDh-Klasse. Parallel fahren in der LMH-Kategorie (Le Mans Hypercar, konstrukteurseigene Prototypen) Toyota, Ferrari, Peugeot und Aston Martin.
Einordnung
Für Motorsport-Fans ist Fords Rückkehr vor allem ein Narrativ-Thema: Die Ford-Ferrari-Rivalität der 1960er-Jahre gilt als eine der bekanntesten Geschichten im Motorsport. Ob der neue Hypercar an diese Epoche anknüpfen kann, entscheidet sich auf der Strecke – laut de.motorsport.com soll der Wagen spätestens Mitte 2027 rennbereit sein. Ein Kundenfahrzeug oder eine seriennahe Version ist nicht geplant.