Während die Automobilwelt über Absatzkrisen jammert, knallen in Sant’Agata Bolognese die Korken – zumindest halbseitig. Lamborghini hat das Jahr 2025 mit einem neuen Allzeitrekord abgeschlossen: 10.747 ausgelieferte Fahrzeuge und ein Umsatz von 3,2 Milliarden € markieren die Spitze der Firmengeschichte. Doch hinter den glänzenden Zahlen verbirgt sich eine strategische Kehrtwende, die vor allem deutsche Petrolheads aufatmen lässt. Der für 2028 geplante rein elektrische Lanzador ist in seiner ursprünglichen Form Geschichte.
Rekordjagd im Schatten von Zöllen
Mit einem operativen Ergebnis von 768 Millionen € lieferte die italienische Audi-Tochter im vergangenen Jahr zwar das zweitbeste Resultat der Geschichte ab, doch das Management zeigt sich wachsam. Globale Unsicherheiten, insbesondere die US-Handelspolitik und drohende Zölle, haben die Margen zuletzt leicht unter Druck gesetzt. Für den Mutterkonzern Volkswagen ist Lamborghini dennoch die Cashcow schlechthin, die in Zeiten schwächelnder Volumenmodelle das Konzernergebnis stützt. Die Strategie Direzione Cor Tauri
wird nun jedoch nachjustiert, da der Markt für elektrische Supersportwagen schlichtweg nicht existiert.
Der Lanzador kommt später und mit Verbrenner-Unterstützung. Foto: Lamborghini
Lanzador 2.0: V8 statt reiner Batterie
Die Entscheidung, den Lanzador nicht als reines Elektroauto (BEV), sondern als Plug-in-Hybrid (PHEV) auf den Markt zu bringen, fiel Anfang 2026. CEO Stephan Winkelmann begründet diesen Schritt mit einer deutlich gesunkenen Akzeptanzkurve bei der Kernklientel. Wer eine halbe Million Euro für einen Stier ausgibt, will den mechanischen Herzschlag spüren und hören. Ein lautloses Gleiten passt offenbar nicht zum Markenprofil.
Die Akzeptanzkurve für rein elektrische Supersportwagen ist dramatisch gesunken. Unsere Kunden suchen die emotionale Verbindung, die derzeit nur ein Verbrenner in Kombination mit Elektrotechnik bieten kann.
— Stephan Winkelmann
Statt 2028 wird der viersitzige GT nun erst 2030 erscheinen – dann mit einem hochgezüchteten V8-Biturbo und elektrischer Unterstützung. Damit folgt Lamborghini dem Trend, den auch deutsche Premiumhersteller wie Porsche oder Mercedes-AMG schmerzlich lernen mussten: Die Transformation lässt sich nicht erzwingen, wenn das Produkt die Emotionen der Käufer verfehlt.
Vier Neuheiten für 2026
Langweilig wird es in der Zwischenzeit nicht. Für das laufende Jahr 2026 hat Lamborghini bereits vier Premieren angekündigt. Brancheninsider erwarten unter anderem den Urus SE Performante, der die 800-PS-Marke knacken dürfte, sowie eine Sterrato-Version des neuen Temerario. Da zudem das 60. Jubiläum des legendären Miura ansteht, verdichten sich die Hinweise auf ein streng limitiertes Sondermodell auf Basis des Revuelto.
Für den deutschen Autofahrer bedeutet diese Nachricht vor allem eines: Der Verbrennungsmotor bleibt im Luxussegment länger erhalten als von der EU-Politik ursprünglich suggeriert. Lamborghini setzt auf Technologieoffenheit, solange die Gesetze es zulassen. Die vollständige Elektrifizierung wird in Sant’Agata Bolognese erst dann wieder zum Thema, wenn die Batterietechnik die emotionale Lücke
schließen kann – ein Zeitpunkt, der derzeit in weiter Ferne liegt.