Während die deutsche Automobilindustrie noch mit der Kostenstruktur ihrer Einstiegsstromer ringt, macht Kia Nägel mit Köpfen. Mit dem Kia EV2 schicken die Koreaner ein Fahrzeug ins Rennen, das genau dort ansetzt, wo es bisher weh tat: beim Preis. Ab 26.600 € soll der kompakte Stromer den Markt aufmischen und damit direkt in das Territorium der kommenden Volkswagen ID. Polo-Klasse sowie der bereits erhältlichen Konkurrenz aus Frankreich und China vorstoßen.
Vier Ausstattungslinien für den urbanen Dschungel
Der 4,06 Meter lange EV2 ist kein reduzierter Verzichtswagen, sondern folgt der bekannten Kia-Logik verschiedener Ausstattungspakete. Bereits die Basisversion „Light“ kommt mit einem 12,3-Zoll-Zentralmonitor und digitalem Cockpit daher. Dass Kia hier auf 16-Zoll-Stahlfelgen setzt, ist dem Rotstift geschuldet, wird aber durch serienmäßiges Apple CarPlay und Android Auto sowie diverse Assistenzsysteme abgefedert. Interessant wird es in den höheren Linien: Die Version „Earth“ bringt eine Wärmepumpe mit – in deutschen Wintern ein essentielles Feature für die Reichweitenstabilität – und bietet zudem die V2L-Funktion (Vehicle-to-Load), um externe Geräte mit Strom zu versorgen.
Der kompakte Kia EV2. Foto: Kia
Technik-Check: Reichweite und das Lade-Versprechen
Kia bietet den EV2 mit zwei unterschiedlichen Antriebssträngen an. Das Einstiegsmodell leistet 107 kW (146 PS) und ist an eine 42,2-kWh-Batterie gekoppelt. Das reicht für den urbanen Alltag, stößt aber mit einer Reichweite von 208 bis 317 Kilometern auf der Langstrecke an Grenzen. Wer mehr will, greift zur 61-kWh-Variante. Paradoxerweise leistet der Motor hier mit 99 kW (135 PS) etwas weniger, ermöglicht aber Reichweiten von bis zu 453 Kilometern. Ein technisches Ausrufezeichen setzt die maximale Ladeleistung: Kia gibt hier bis zu 350 kW an. Sollte dieser Wert in der Serie auch nur ansatzweise erreicht werden, würde der EV2 die Lade-Infrastruktur in Deutschland effizienter nutzen als fast jeder andere Kleinwagen.
Kia EV2 (2026)
Der Druck auf Wolfsburg wächst
Für den Standort Deutschland ist der Start des EV2 ein deutliches Signal. Während das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zwar ein wachsendes Interesse an E-Autos verzeichnet, fehlt es oft an bezahlbaren Modellen unter 30.000 €. Die Konkurrenz schläft nicht: Renault 5 und der Citroën e-C3 positionieren sich bereits. Dass Kia nun preislich so aggressiv einsteigt, setzt vor allem Volkswagen unter Druck. Die Wolfsburger planen ihre günstigen Modelle wie den ID. Polo erst für 2026, was den Koreanern einen wertvollen Zeitvorteil verschafft.
In der Top-Ausstattung „GT-Line“ klettert der Preis zwar auf über 40.000 €, doch das Volumenmodell dürfte sich im Bereich um 30.000 € einpendeln. Für deutsche Zulieferer bedeutet dieser Markteintritt eine weitere Verschiebung der Marktanteile Richtung Asien, sofern die heimischen Hersteller nicht zeitnah mit preislich konkurrenzfähigen Modellen antworten.