BMW hat eine klare Entscheidung getroffen, die das Portfolio auf dem nordamerikanischen Markt für die kommenden Jahre zementiert: Die gestreckten Varianten von Modellen wie dem 3er, 5er oder X5 werden ihren Weg nicht in die USA finden. Während der Trend zu Langversionen (Long Wheelbase, LWB) in Asien ungebrochen ist und mittlerweile auch Märkte außerhalb Chinas erreicht, bleibt Nordamerika eine LWB-freie Zone. Bernd Körber, Produktchef der Münchener, begründet dies mit einer nüchternen Analyse der Kundenbedürfnisse.
Die Logik hinter dieser Entscheidung ist so simpel wie strategisch: In den USA steht der Nutzwert im Vordergrund. Wer mehr Platz benötigt, investiert nicht in zusätzliche Zentimeter im Fond, sondern in das nächsthöhere Fahrzeugsegment. Laut Körber verlangen US-Kunden nach Laderaum und Anhängelast. Ein verlängerter X5 würde dort in direkte Konkurrenz zum prestigeträchtigen X7 treten, was aus Sicht der Produktplanung wenig sinnvoll erscheint. In China hingegen ist der Fond oft ein Ort für Geschäftstermine oder Entspannung, während der Besitzer vorne rechts chauffiert wird.
Für die deutsche Automobilindustrie ist diese Differenzierung ein Balanceakt. BMW muss die Komplexität in der Produktion bewältigen, ohne die Effizienz zu gefährden. Modelle wie der X5 in der Langversion (interner Code G18) werden daher primär lokal produziert, um Importzölle zu umgehen und den Markt direkt zu bedienen. Dass nun auch Indien im Werk Chennai den 3er und den X1 als Langversionen fertigt, zeigt die Verschiebung der globalen Wachstumsmärkte. Für den Standort Deutschland bedeutet dies, dass die hiesigen Werke weiterhin auf die Standard-Radstände fokussiert bleiben, die in Europa den Kernabsatz bilden.
China will Beinfreiheit. Die USA wollen Laderaum. Wenn wir sehen würden, dass sich in einem bestimmten Segment ein Bedarf für einen langen Radstand entwickelt, würden wir folgen. Aber derzeit ist das in den USA nicht der Fall.
— Bernd Körber, BMW Produktchef
Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass BMW diese Strategie auch bei der kommenden Elektro-Plattform, der sogenannten Neuen Klasse, beibehalten wird. Die für 2027 geplante i3-Limousine (NA0) wird für den asiatischen Markt als Langversion (NA8) aufgelegt. Auch der elektrifizierte iX3 (NA6) wird in einer gestreckten Variante in Ländern wie Indonesien, Malaysia und Thailand angeboten.
Sondermodell des X5 LWB. Foto: BMW
Für den deutschen Autofahrer ändert sich wenig, da die Nachfrage nach Chauffeur-Limousinen unterhalb der 7er-Reihe hierzulande traditionell gering ist. Dennoch verdeutlicht die Entscheidung, wie sehr sich die Produktzyklen und Karosserieformen mittlerweile an regionalen Vorlieben orientieren. Während der BMW 5er in China fast schon Oberklasse-Niveau erreicht, bleibt er in den USA und Europa der klassische Business-Athlet mit Fokus auf den Fahrer. Das Ziel bleibt die Gewinnmaximierung durch Marktsegmentierung – ein Kurs, den auch Oliver Zipse, CEO der BMW AG, konsequent verfolgt.