Die Sur-Mesure-Abteilung von Bugatti verwandelte den bereits ausverkauften Mistral in ein libellen­inspiriertes Einzelstück – das vierte Insekten-Fahrzeug einer Privatsammlung.

Ein amerikanischer Sammler hat sich sein viertes Bugatti-Unikat gesichert – und dieses Mal diente eine Libelle als Vorlage. Bugattis Personalisierungsprogramm Sur Mesure präsentierte den Mistral „Fly Bug", ein Einzelstück, das den letzten straßenzugelassenen W16-Roadster der Marke in ein libelleninspiriertes Kunstobjekt verwandelt. Der Basispreis des Mistral liegt bei 5 Millionen Euro; alle 99 Exemplare waren vor Produktionsbeginn restlos vergeben. Was die Sur-Mesure-Veredelung darüber hinaus kostet, teilt Bugatti traditionell nicht mit.

Lackierung und Design

Chefdesigner Frank Heyl und das CMF-Team aus Berlin entwickelten über Hunderte von Arbeitsstunden ein elliptisches Grafikmuster, das von der Bugatti-Nase bis zum Heck in seiner Intensität variiert und sanft mit den dunklen Lufteinlässen verschmilzt. Der eigens kreierte Ton „Dragonfly Blue" wechselt je nach Lichteinfall zwischen tiefem Blau und einem beinahe schwarzen Metallicglanz – eine direkte Referenz an das schillernde Flügelgefieder einer Libelle. Selbst das seitliche Bugatti-Emblem ist millimetergenau in das Grafikmuster integriert, damit die visuelle Komposition geschlossen bleibt.

Interieur mit 3D-Effekt

Im Innenraum setzt sich die geometrische Sprache konsequent fort. Laserperforiertes Leder liegt über einer Alcantara-Unterlage und erzeugt so einen dreidimensionalen Oberflächeneffekt. Die elliptischen Motive wiederholen sich auf den Türverkleidungen und – erstmals beim Mistral – auf den Mittelarmlehnen. Jede Millimeterabweichung beim Zuschnitt hätte die visuelle Symmetrie zerstört, weshalb die Handwerker in Molsheim einen vollständig neuen Zuschnittprozess entwickeln mussten.

Antrieb und Rekord

Mechanisch bleibt der Fly Bug identisch mit dem Serien-Mistral. Der 8,0-Liter-W16 mit vier Turboladern leistet 1.579 PS (1.162 kW) und 1.180 lb-ft (1.600 Nm) Drehmoment. Den Sprint von 0 auf 62 mph absolviert er in 2,4 Sekunden. Im November 2024 stellte der Mistral auf der Teststrecke Papenburg einen Weltrekord für offene Straßenfahrzeuge auf: 282 mph (453,91 km/h) – offiziell bestätigt. Es ist zugleich der letzte Straßenwagen überhaupt mit Bugattis legendärem W16-Motor; lediglich der rein für die Rennstrecke konzipierte Bolide nutzt das Aggregat noch.

Sammlung und Einordnung

Der Fly Bug ist das vierte Fahrzeug in der Insektensammlung seines Besitzers – nach dem Veyron „Hellbug", dem Chiron „Hellbee" und dem Divo „Lady Bug". Über den Gesamtwert der Kollektion schweigt Bugatti. Angesichts der Basispreise der einzelnen Modelle und des Umfangs der Sur-Mesure-Arbeiten dürfte die Summe jedoch deutlich im zweistelligen Millionenbereich liegen. Neue Bestellungen nimmt Bugatti nicht entgegen – der Mistral ist Geschichte, und der W16 damit ebenfalls.

Максим Тропко
Maksim Tropko
36 jahre (18 jahre am Steuer)