Geely übernimmt Karosserie-Halle 3 des Ford-Werks Valencia, um den Kompakt-Stromer EX2 in der EU zu fertigen – und so den 18,8-Prozent-Importzoll auf chinesische Elektroautos zu umgehen.

Geely übernimmt die Karosserie-Halle 3 des Ford-Werks im spanischen Valencia und produziert dort ab 2026/2027 den kompakten Stromer EX2. Der Schritt ist in erster Linie eine Antwort auf den EU-Ausgleichszoll von 18,8 Prozent auf Elektroautos aus China, der seit dem 30. Oktober 2024 gilt – laut EU-Kommission für fünf Jahre. Spanische Fertigung macht diesen Zoll hinfällig.

EX2: Kompaktklasse mit LFP-Akku

Der Geely EX2 misst 4,13 Meter – vergleichbar mit einem VW Polo Plus oder Ford Puma – und leistet 114 PS. Als Energiespeicher kommt ein 39,4-kWh-LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat) zum Einsatz, der nach WLTP-Standard (EU-Normverfahren) eine Reichweite von 325 Kilometern ermöglicht. In China verkauft Geely das Modell unter dem Namen Galaxy Xingyuan; 2025 war es mit rund 465.000 Einheiten das meistverkaufte Modell der Marke auf dem Heimatmarkt. Für Deutschland und die DACH-Region ist ein Marktstart 2026/2027 denkbar, offiziell bestätigt ist er noch nicht. Preise wurden bisher nicht kommuniziert.

Der Ladestandard für die europäischen Marktversionen ist noch nicht offiziell bestätigt. In China liefert Geely den EX2 mit GB/T-Anschluss aus; für Deutschland und Europa ist CCS2 vorgeschrieben. Ob die für den DACH-Markt bestimmten Fahrzeuge einen nativen CCS2-Onboard-Lader erhalten oder mit einem Adapter ausgeliefert werden, steht noch aus.

Valencia als EU-Brückenkopf

Das Werk Valencia verfügt über eine jährliche Kapazität von 300.000 Fahrzeugen, ist derzeit aber erheblich unterausgelastet – neben dem Kuga rollt dort kein weiteres Modell vom Band. Für Ford bedeutet der Teilverkauf frisches Kapital, das den rückläufigen Europaabsatz teilweise abfedern soll, so Autocar.

Darüber hinaus stehen beide Hersteller in Verhandlungen über eine weitergehende technologische Zusammenarbeit. Denkbar ist ein gemeinsamer Crossover auf Geeelys modularer GEA-Plattform, die sowohl rein elektrische als auch Plug-in-Hybrid-Antriebe unterstützt. Ford hatte Valencia bereits als Standort für einen Focus-Nachfolger benannt; ob dieser Crossover nun auf GEA statt auf der bisherigen C2-Plattform entsteht, bleibt offen. Auch ein Technologie-Sharing im Bereich Fahrerassistenz und automatisiertes Fahren ist laut STARNEWS Gegenstand der Gespräche.

Strategische Verschiebung im europäischen EV-Markt

Die Valencia-Strategie zeigt exemplarisch, wie chinesische Hersteller auf den EU-Schutzzoll reagieren: nicht mit Rückzug, sondern mit Lokalisierung. Geely soll bereits Kontakt zu Zulieferern in der Region Valencia aufgenommen haben – ein indirektes Signal, dass die Produktionsaufnahme konkret geplant ist. Modellname, finale Plattform-Spezifikationen sowie Markteinführungsdaten für Deutschland und Österreich sind bislang nicht bestätigt.

Максим Тропко
Maksim Tropko
36 jahre (18 jahre am Steuer)