Ein neues DPMA-Patent kombiniert Flüssigkeits- und Luftkühlung mit aktiver Kanalführung. Ob das System je in einen Serien-911 kommt, bleibt völlig offen.

Porsche hat beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) eine Hybrid-Kühlarchitektur für Verbrennungsmotoren zum Patent angemeldet – veröffentlicht am 7. Mai 2026. Das System kombiniert klassische Flüssigkeitskühlung mit einem aktiven Luftkanal rund um Motor, Turbolader und Abgasanlage. Ein serienreifes Modell ist bislang nicht angekündigt.

Wie das System funktioniert

Der Antrieb sitzt in einem geschlossenen Gehäuse, das als großer Luftkanal wirkt. Außenluft strömt durch einen Radiator, wird dann direkt um den Motorblock geleitet und verlässt das Fahrzeug über das Heck. Im Patent werden sogar Kühlrippen am Kurbelgehäuse erwähnt – ein optisches Merkmal klassischer Porsche-Boxermotoren. Ein hecksseitig montierter Lüfter steuert den Volumenstrom aktiv.

Porsche nennt mehrere Vorteile: Weil der Radiator näher am Motor sitzt, lassen sich Kühlmittelleitungen kürzer und leichter ausführen. Kleinere Lufteinlässe vorne verbessern die Aerodynamik. Zusätzlich soll der gelenkte Luftstrom am Heck Abtrieb erzeugen – vergleichbar mit dem aktiven Hecklüfter des GMA T.50. Bei Kaltstart lässt sich die Luftführung umkehren, um Abwärme aus Motor und Abgas für schnelleres Aufheizen zu nutzen.

Euro 7 und Lärm: die ungeklärten Fragen

Dass ein Patent eingereicht wird, bedeutet keine Produktionsabsicht. Porsche hat sich bisher nicht zu Zielmodell oder Zeitplan geäußert. Und genau hier liegt der Knackpunkt: Der Lärm des Lüfters war 1998 einer der Hauptgründe, warum Porsche die luftgekühlte 911 (Baureihe 993) nach 27 Jahren einstellte. Das Patent adressiert diese Problematik nicht. Die Geräuschemissionsgrenzwerte nach ECE R51 sowie die ab 2026 geltenden Euro-7-Anforderungen setzen enge Grenzen – gerade für ein System mit hohem Luftdurchsatz.

Auch die KBA-Zulassung für ein derart neuartiges Kühlkonzept wäre Neuland. In den Werken Zuffenhausen und Leipzig gibt es keinerlei Hinweise auf einen Anlauf dieser Technologie.

Aktueller Stand der 911-Baureihe

Die 2026er 911-Modelle setzen konsequent auf Wasserkühlung kombiniert mit Hybridtechnik: elektrische Turbolader (sogenannte E-Turbo) und ein in das PDK-Getriebe integrierter Elektromotor. Laut Carscoops (13. Mai 2026) zieht Porsche dabei historische Parallelen zum 959, der bereits in den 1980er-Jahren eine kombinierte Luft-Wasser-Kühlung nutzte. CarBuzz beschreibt zudem eine mehrstufige Kupplung für den Lüfterantrieb – was Fragen zur Wartbarkeit aufwirft.

Das Patent ist ein ingenieurwissenschaftlich interessanter Fingerzeig. Für Interessenten des aktuellen 911 Carrera, GTS oder Turbo S ändert sich in absehbarer Zeit nichts: Alle Modelle bleiben wassergekühlt.

Максим Тропко
Maksim Tropko
36 jahre (18 jahre am Steuer)