Deutschland hat zum 1. April 2026 die Schwelle von 200.000 öffentlichen Ladepunkten überschritten. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) zählte exakt 200.255 Anschlüsse – ein Plus von 28.962 Punkten oder 17 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Noch deutlicher fiel das Wachstum bei der installierten Gesamtleistung aus: Sie stieg von 6,7 auf 8,5 GW, ein Anstieg von 28 %.
AC dominiert die Menge, DC gewinnt an Gewicht
Von den 200.255 Ladepunkten entfallen 149.002 auf AC-Stationen und 51.253 auf DC-Schnelllader. Mengenmäßig liegt AC vorn, doch das Wachstum konzentriert sich klar auf die Gleichstromseite. DC-Ladepunkte mit einer Leistung von 149 bis 299 kW legten um 30 % auf 19.684 Einheiten zu. Noch stärker wuchs das Segment mit 59 bis 149 kW: plus 35 % auf 4.256 Einheiten. Den größten Sprung machten Ultraschnelllader ab 299 kW – ein Zuwachs von 41 % auf 17.689 Einheiten.
Das AC-Segment wächst moderater. Den Löwenanteil bilden Stationen mit 15 bis 22 kW: 110.780 Einheiten, plus 14 % im Jahresvergleich. Langsamlader bis 3,7 kW bleiben mit 2.794 Punkten eine Randerscheinung.
EnBW vor Tesla – aber die Leistung erzählt eine andere Geschichte
Regional liegt Nordrhein-Westfalen mit 39.520 Ladepunkten vorn, gefolgt von Bayern (38.269) und Baden-Württemberg (34.412). Bei den Betreibern führt EnBW mobility+ mit 11.825 Ladepunkten und rund 1,06 GW Gesamtleistung. E.ON Drive folgt mit 4.772 Punkten, Tesla Germany mit 3.665.
Beim reinen Punktestand liegt Tesla auf Rang drei – doch die installierte Leistung von 906 MW rückt das Supercharger-Netz an die zweite Stelle hinter EnBW. BP Europe / Aral Pulse kommt auf 449 MW. Das zeigt: Wer auf Schnellladung setzt, holt mit weniger Standorten mehr Kapazität heraus.
Ladeinfrastruktur als neues Politikinstrument
Der Wegfall des Umweltbonus im Dezember 2023 hat die Diskussion verschoben. Kaufanreize stehen nicht mehr im Mittelpunkt der BEV-Förderpolitik – stattdessen rückt der Ausbau der Ladeinfrastruktur in den Fokus. Der Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 zielt auf eine Million öffentliche Ladepunkte. Bis dahin ist die Lücke noch groß, doch das aktuelle Wachstumstempo – allein zwischen Februar und April 2026 kamen 3.902 neue Punkte hinzu – zeigt, dass die Branche das Ziel ernstnimmt. VDA und BDEW diskutieren dabei zunehmend nicht nur Quantität, sondern auch Qualität: Depotladen für Flotten und Ladelösungen im Wohngebäudebereich gelten als die nächsten wichtigen Baustellen.