Der Energiekonzern Eni steigt mit 30 % für 55 Millionen Euro in ein Joint Venture ein – Teverola 2 soll ab 2026 über 8 GWh Lithium-Eisenphosphat-Zellen pro Jahr liefern und Europas Abhängigkeit von China reduzieren.

Eni und Seri Industrial schließen ihre Batteriekooperation ab – und setzen damit ein klares Zeichen gegen Europas Rohstoffabhängigkeit von China. Am 29. Mai 2026 wurde der Beteiligungskauf offiziell vollzogen: Eni Industrial Evolution erwirbt 30 % der neu gegründeten Projektgesellschaft FIB für 55 Millionen Euro. Die restlichen 70 % verbleiben bei Seri Industrial. Das Ziel ist eine integrierte europäische Wertschöpfungskette für LFP-Batterien (Lithium-Eisenphosphat), die von der Zellproduktion bis zur Systemintegration reicht.

Teverola 2: Mehr als 8 GWh pro Jahr ab 2026

Das Herzstück des Projekts ist die Gigafabrik Teverola 2 in der Region Caserta, Kampanien. Die geplante Kapazität liegt bei über 8 GWh pro Jahr – genug, um zehntausende Elektrofahrzeuge oder große stationäre Speichersysteme zu versorgen. Das Werk ist Teil des IPCEI Batteries 1-Programms (Important Projects of Common European Interest, ein EU-Fördermechanismus für strategische Industrien) und erhält rund 500 Millionen Euro EU-Zuschuss sowie 150 Millionen Euro Bankfinanzierung, abgesichert durch eine SACE-Staatsgarantie.

Die Fabrik soll Zellen in drei Formaten produzieren: 40 Ah, 155 Ah und 300 Ah – ein Spektrum, das sowohl Pkw-Antriebe als auch Nutzfahrzeuge und stationäre Großspeicher abdeckt. Eni plant zudem, bis zur ersten Hälfte 2027 in Brindisi eine Montagelinie für stationäre Energiespeichersysteme (BESS) fertigzustellen. Eine zweite Gigafabrik mit ebenfalls mehr als 8 GWh Jahreskapazität soll bis 2029 folgen.

Relevanz für den DACH-Markt

Für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist das Projekt aus mehreren Gründen bedeutsam. Volkswagen Group, Audi und Mercedes-Benz beziehen bereits LFP-Zellen – bislang überwiegend aus China. LFP hat 2025 erstmals mehr als 10 % Marktanteil am EU-Elektrofahrzeugmarkt erreicht, mit einem Jahreswachstum von 48 %. Teverola 2 könnte einen Teil dieser Nachfrage künftig aus Europa decken.

Der direkte Wettbewerb ist intensiv: CATL baut in Debrecen (Ungarn) eine Fabrik mit rund 8,5 GWh Kapazität, BYD errichtet ebenfalls ein Werk in Komárom. Chinesische LFP-Zellen kosten derzeit unter 60 Euro pro kWh – BYD liegt bei etwa 44 Euro. Seri muss nach eigenen Angaben innerhalb von drei Jahren Kostenparität erreichen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Bankrott von Northvolt im November 2024 zeigt, wie real die Skalierungsrisiken für europäische Batterieneueinsteiger sind.

Regulierung als Rückenwind

Die EU-Batterieverordnung 2023/1542 schafft strukturelle Vorteile für europäische Produzenten. Seit Februar 2025 gilt die Pflicht zur CO₂-Fußabdruck-Deklaration: Chinesische LFP-Zellen weisen im Schnitt rund 85 kg CO₂ pro kWh aus, das EU-Ziel liegt bei 55 kg. Ab Dezember 2025 ist eine Recyclingquote von 65 % verpflichtend, ab Februar 2027 werden digitale Batteriepässe Pflicht. Seri und Eni planen langfristig eigene Recycling- und Kathodenmaterial-Produktion in Brindisi – ein direkter Beitrag zum Critical Raw Materials Act, der bis 2030 eine EU-interne Verarbeitung von 40 % des benötigten Lithiums vorschreibt (aktuell: rund 12 %).

Der Aufbau in Süditalien soll zudem rund 625 Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen schaffen – gestützt durch regionale Förderprogramme und die SACE-Garantie.

Максим Тропко
Maksim Tropko
36 jahre (18 jahre am Steuer)