GM und Redwood Materials betreiben einen 7,2-MWh-Speicher aus rund 100 ausgedienten EV-Akkupacks in Michigan. Die deutsche Tochter Redux in Bremerhaven recycelt – Second-Life-Projekte für DACH sind bislang nicht angekündigt.

General Motors und Redwood Materials haben an einem GM-Fertigungswerk in Michigan ein stationäres Batteriespeichersystem in Betrieb genommen, das aus rund 100 ausgedienten Akkupacks von GM-Elektrofahrzeugen besteht. Die Anlage leistet 1,5 MW und speichert bis zu 7,2 MWh Strom. Redwood schätzt die Einsparungen über die gesamte Betriebsdauer auf mehr als drei Millionen US-Dollar. Für Deutschland, Österreich oder die Schweiz ist ein vergleichbares Projekt bislang nicht angekündigt.

Vom Fahrzeugakku zum Industriespeicher

Das Prinzip hinter dem Michigan-Projekt ist klar: Batterien, deren Kapazität für den Antrieb eines Elektroautos nicht mehr ausreicht, können in stationären Speichern noch jahrelang sinnvoll arbeiten. Sie puffern Lastspitzen, entlasten das lokale Netz und senken den Strombezug zu Hochpreiszeiten. GM ist laut den Unternehmen der erste Automobilhersteller, der mit Redwood Materials den vollständigen Batterielebenszyklus abdeckt: von der Verwertung von Produktionsausschuss über die Aufbereitung ausgedienter Fahrzeugakkus bis zur Rückgewinnung von Lithium, Nickel und Kobalt. Rund 28.000 Tonnen Batteriematerial hat GM bislang an Redwood zur Wiederverwertung übergeben; etwa 10.000 Akkupacks stehen für Second-Life-Projekte in der Redwood-Energy-Sparte bereit, die im Juni 2025 gegründet wurde — laut Electrive.

Ein weiteres System mit 63 MWh läuft bereits in Nevada, wo es ein Rechenzentrum des KI-Anbieters Crusoe mit gespeichertem Strom versorgt. Beide Anlagen befinden sich ausschließlich in den USA.

DACH: Recycling ja, Second-Life noch offen

In Deutschland ist Redwood Materials über die 2023 übernommene Bremerhavener Firma Redux aktiv — berichtet Cleanthinking. Die Anlage verarbeitet bis zu 10.000 Tonnen Altbatterien pro Jahr, beschränkt sich aber auf das klassische Recycling. Eine stationäre Second-Life-Nutzung ausgedienter Akkus, wie sie in Michigan demonstriert wird, ist für den DACH-Raum nicht angekündigt.

Das regulatorische Umfeld wäre grundsätzlich günstig: Die EU-Batterieverordnung 2023/1542 verlangt von Herstellern künftig konkrete Nachweise zur Kreislaufwirtschaft, was Second-Life-Konzepte strukturell begünstigt. Auch die hohen Industriestrompreise in Deutschland machen Eigenverbrauchsoptimierung durch Batteriespeicher wirtschaftlich attraktiver als in vielen anderen Märkten.

Lokale Wettbewerber und Startups füllen diese Lücke bereits: Projekte zur stationären Weiternutzung von Fahrzeugakkus laufen in Deutschland unter anderem bei Netzbetreibern und Automobilzulieferern. Ob Redwood Energy seinen US-Ansatz nach Europa überträgt und dabei an das Redux-Netzwerk anknüpft, bleibt offen. Ein konkreter Zeitplan für DACH-Deployments existiert nach aktuellem Stand nicht.

Максим Тропко
Maksim Tropko
37 jahre (18 jahre am Steuer)