Lucid will mit dem Cosmos erstmals in die Mittelklasse vordringen. Das neue SUV soll Anfang 2027 in Deutschland auf den Markt kommen, kostet in den USA voraussichtlich rund 50.000 Dollar – umgerechnet mit 19 Prozent Mehrwertsteuer landen Interessierte bei etwa 60.000 bis 70.000 Euro. Das wäre direkt auf dem Niveau von BMW iX3 und Mercedes GLC EQ, den aktuellen Platzhirschen in diesem Segment.
Design und Aerodynamik
Patentzeichnungen, die in der europäischen Datenbank für geistiges Eigentum aufgetaucht sind, zeigen die Silhouette des Cosmos. Der Wagen erinnert an einen kompakteren Lucid Gravity: kurze Motorhaube, weit nach vorne gerücktes Fahrgastabteil, großes Markenlogo an der Front. Besonders auffällig ist das Heck – ein abfallendes Dach mündet in einen kompakten Spoiler, der die hintere Scheibe teilweise überdeckt. Weil die Sicht dadurch eingeschränkt ist, wird serienmäßig ein digitaler Rückspiegel mit Kamera verbaut.
Lucid Cosmos – Patentzeichnungen zeigen die SUV-Silhouette mit abfallendem Heck und kompaktem Spoiler.
Lucid gibt den Luftwiderstandsbeiwert mit 0,22 cW an – für ein SUV ein außergewöhnlich niedriger Wert. Zum Vergleich: Der BMW iX3 kommt auf rund 0,29 cW. Diese Aerodynamik soll eine Reichweite von über 480 Kilometern ermöglichen. Eine genaue WLTP-Angabe (europäischer Normverbrauchszyklus) liegt noch nicht vor; die bisher kommunizierte Zahl basiert auf dem US-Bewertungsverfahren der EPA.
Technik: 800 Volt und bidirektionales Laden
Das 800-Volt-Bordnetz – das schneller lädt als das weit verbreitete 400-Volt-System – erlaubt laut Lucid eine Nachladung von rund 320 Kilometern in 14 Minuten. Welcher Ladestecker für den europäischen Markt verbaut wird, hat Lucid noch nicht offiziell bestätigt; als EU-Standard gilt CCS2. Darüber hinaus unterstützt der Cosmos bidirektionales Laden: Sowohl Vehicle-to-Home (V2H) – Stromversorgung des Hauses über das Fahrzeug – als auch Vehicle-to-Grid (V2G), die Rückspeisung ins Stromnetz, sind vorgesehen.
Das Cockpit unterscheidet sich deutlich von Air und Gravity: Ein einziger, durchgehend breiter Bildschirm ersetzt die bisher üblichen mehreren Einzeldisplays. Lucid begründet das mit der Vorbereitung auf spätere autonome Fahrfunktionen – auf dieser Plattform soll auch ein Robotaxi-Konzept in Kooperation mit Uber entstehen.
Lucid Cosmos – das Interieur setzt auf einen einzigen durchgehenden Breitbildschirm statt mehrerer Einzeldisplays.
Marktstart und DACH-Perspektive
Die Serienproduktion beginnt Ende 2026 im Lucid-Werk in Saudi-Arabien; zunächst werden Fahrzeuge für den US-Markt gefertigt. Sechs bis zwölf Monate später soll das Werk in Arizona folgen, das dann die amerikanischen Kunden hauptsächlich versorgt. Europäische Lieferungen sind für Anfang 2027 als Modelljahr 2028 vorgesehen, so AUTOHAUS.
In Deutschland betreibt Lucid derzeit Händler über den Partner Wackenhut – seit März 2026 in Baden-Baden, ab Sommer 2026 auch in Stuttgart. Ob weitere Standorte rechtzeitig zum Cosmos-Start hinzukommen, ist offen. Der seit Dezember 2023 eingestellte staatliche Umweltbonus greift für den Cosmos nicht mehr; die günstige Dienstwagenregelung (0,25 Prozent des Listenpreises monatlich) gilt jedoch bei einem Brutto-UVP bis 70.000 Euro – ein Kaufargument, falls die Endpreise entsprechend ausfallen. In Österreich besteht weiterhin ein e-Mobilitätsbonus von 5.000 Euro; die Schweiz kennt keinen Bundesbonus.
Bisher bewegt sich Lucid mit dem Air (ab 85.900 Euro) und dem Gravity (ab 116.900 Euro) ausschließlich im Luxussegment. Mit dem Cosmos muss die Marke beweisen, dass sie auch im deutlich hart umkämpften Mittelklassesegment bestehen kann – gegen etablierte Anbieter mit dichtem Händlernetz und Jahren an WLTP-Zertifizierungserfahrung.