Volkswagens Aufsichtsrat trifft sich am 9. Juli 2026 zu einer wegweisenden Sitzung: Auf dem Tisch liegt das bislang umfassendste Restrukturierungsprogramm der Konzerngeschichte. Berater empfehlen laut einem Bericht der Financial Times unter anderem, Lamborghini an die Börse zu bringen oder Ducati zu verkaufen. Niedersachsen – mit 20 Prozent Stimmrechten per VW-Gesetz ausgestattet – und die IG Metall könnten solche Pläne blockieren.
Stellenabbau und Werksschließungen als Druckmittel
Der Konzern plant den Abbau von bis zu 100.000 Stellen und die Schließung von vier deutschen Werken – darunter Hannover, Zwickau, Emden und Neckarsulm (Audi). Allein in Deutschland sind bis 2030 über 35.000 Arbeitsplätze betroffen, rund 40.000 Beschäftigte an den vier Standorten insgesamt. Gleichzeitig steigt der Investitionsbedarf: VW muss Milliarden in Elektromodelle und Software stecken, während chinesische Hersteller den europäischen Markt unter Druck setzen.
Den Verkauf des Schiffsmotorensparte-Anteils an Everllence brachte dem Konzern zwar einen höheren Erlös als erwartet – die rund 7,4 Milliarden Euro sollen nach Angaben aus dem Umfeld des Konzerns aber primär die Restrukturierungskosten decken, nicht neue Investitionen finanzieren.
Lamborghini und Ducati: Wertzuwachs seit der Übernahme
Audi kaufte Lamborghini 1998 für rund 110 Millionen US-Dollar. Bloomberg Intelligence schätzt den heutigen Markenwert auf über 22 Milliarden US-Dollar. Allein 2024 erzielte der Supersportwagenhersteller trotz US-Zollbelastungen einen Gewinn von rund 888 Millionen US-Dollar. Ducati wechselte 2012 für damals rund 870 Millionen Euro in den Audi-Konzern.
Beide Marken produzieren nicht in Deutschland – ein Verkauf hätte daher keine unmittelbaren Folgen für die hiesige Beschäftigung. Symbolisch wäre er dennoch erheblich: Er würde signalisieren, dass VW auch profitable Premiummarken opfert, um den Kernkonzern zu stabilisieren.
Niedersachsen und IG Metall als Vetospieler
Die niedersächsische Landesregierung hält per VW-Gesetz 20 Prozent der Stimmrechte im Aufsichtsrat und kann Grundsatzentscheidungen blockieren. Die IG Metall lehnt Markenverkäufe kategorisch ab – eine Haltung, die die Gewerkschaft seit dem Dieselskandal konsequent verfolgt. Beide Akteure haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie Konzernstrategien erheblich verzögern oder umlenken können.
Audi hatte im April 2025 noch dementiert, Lamborghini stehe zum Verkauf. Seitdem hat sich die Finanzlage des Konzerns weiter zugespitzt, laut motorcycles.news ist die Juli-Sitzung nun der formale Entscheidungspunkt. Eine offizielle Stellungnahme von VW oder Audi zu konkreten Verkaufsplänen liegt weiterhin nicht vor – was die Diskussion eher anheizt als beendet.