Ein kostenloses OTA-Update bringt das Tesla Vision Airbag-System auf Model 3, Y, S und X ab Baujahr 2022 – die Kameras geben der Passivschutz-Elektronik bis zu 70 Millisekunden Vorsprung.

Tesla rollt per Software-Update eine Funktion aus, die Airbags bis zu 70 Millisekunden früher auslösen kann als herkömmliche Systeme. Möglich macht das die Fahrzeugkamera-Plattform Tesla Vision, die einen drohenden Aufprall erkennt, noch bevor der physische Kontakt stattfindet. Das Update 2025.32.3 ist seit September 2025 verfügbar – kostenlos, ohne Werkstattbesuch, per Mobilfunk direkt aufs Fahrzeug.

Wie das System funktioniert

Klassische Rückhaltesysteme stützen sich auf Beschleunigungssensoren (Akzelerometer), die erst im Moment des Aufpralls reagieren. Tesla Vision ergänzt diesen Ansatz: Die Außenkameras analysieren die Verkehrssituation kontinuierlich und erkennen, wenn eine Kollision unvermeidbar wird. Das System schätzt Aufprallzeitpunkt, Richtung und ungefähre Energie – und übermittelt diese Vorausberechnung an die Rückhaltesysteme.

Schon wenige Dutzend Millisekunden früher kann dabei den Unterschied machen: Ein Airbag braucht Zeit, um sich vollständig zu entfalten. Löst er etwas früher aus, ist er beim ersten Körperkontakt bereits vollständig befüllt. Zudem können Gurtstrafferdie Insassen schon vor dem Aufprall in die optimale Sitzposition ziehen.

Wichtig: Die Kameras treffen nicht die finale Auslöseentscheidung. Diese liegt weiterhin bei den bewährten Aufprallsensoren. Tesla Vision liefert lediglich einen Zeitpuffer – die Elektronik „weiß" früher, was kommt.

Kompatibilität und Verfügbarkeit

Das Update 2025.32.3 unterstützt sowohl Hardware-Generation HW3 (Intel-Chipsatz) als auch HW4. Anspruchsberechtigt sind:

- Model 3 und Model Y ab Baujahr 2023 (teilweise auch 2022) - Model S und Model X ab Baujahr 2022 - Model 3 und Model Y 2026

Eine FSD-Lizenz (Full Self-Driving, Level 2 Fahrassistenz) ist nicht erforderlich. Wer ein kompatibles Fahrzeug besitzt, erhält die Funktion automatisch, sobald das Update den eigenen Wagen erreicht. Der vollständige Rollout auf die gesamte Fahrzeugflotte läuft noch.

Offene Fragen zur Zulassung

Was Tesla bislang nicht kommuniziert: Wie die Funktion im europäischen Zulassungsrahmen bewertet wird. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) und Euro NCAP haben sich bisher nicht öffentlich dazu geäußert, ob und wann kamerabasierte Vorauslösung in unabhängigen Crashtests bewertet wird. Drittanbieter-Validierungen fehlen noch vollständig – laut Not a Tesla App stützen sich die verfügbaren Angaben bislang allein auf Tesla-eigene Aussagen.

Vergleichbare Pre-Crash-Systeme existieren auch bei anderen Herstellern, etwa über Radar- und Kamera-Fusionssysteme. Ein direkter Sicherheitsvergleich mit diesen Lösungen steht aus. Für Besitzer der betroffenen Modelle bleibt der Schritt dennoch klar: Das Update kostet nichts und kommt automatisch.

Максим Тропко
Maksim Tropko
37 jahre (18 jahre am Steuer)