Mercedes-Benz hat entschieden: Der neue kompakte G-Klasse wird ab 2027 nicht in Rastatt, sondern im ungarischen Kecskemét gefertigt. Das Werk soll auf bis zu 400.000 Einheiten pro Jahr ausgebaut werden – womit es zum größten Mercedes-Produktionsstandort in Europa aufsteigt. Für den deutschen Standort Rastatt, traditionell das Herz der Mercedes-Kompaktklasse, bedeutet das eine empfindliche Niederlage im internen Wettbewerb um neue Modelle.
Antrieb, Reichweite, Varianten
Die ursprüngliche Planung sah den Kompakt-G als reines Elektroauto vor. Diese Strategie ist vom Tisch. Auslöser: In Deutschland wurden im ersten Quartal 2026 laut Kraftfahrt-Bundesamt lediglich 101 von insgesamt 1.508 zugelassenen G-Klasse-Fahrzeugen als Elektroversion registriert – ein Anteil von gerade 6,7 Prozent.
Stattdessen bringt Mercedes zwei Antriebsvarianten:
- Mild-Hybrid (Plug-in-freier MHD): 1,5-Liter-Benziner mit 136 bis 190 PS (100–140 kW), technisch verwandt mit der Basis des CLA. - Elektrovariante: 85-kWh-Akku auf NMC-Basis (Nickel-Mangan-Kobalt), zwei E-Motoren. Als Reichweite kursiert ein Wert von 724 km – dieser basiert jedoch auf dem chinesischen CLTC-Zyklus, nicht auf dem europäischen WLTP-Normverbrauchszyklus. Realistisch dürfte nach WLTP ein Wert um 580–620 km liegen; eine offizielle Bestätigung steht noch aus.
Preise und Ausstattungslinien für den deutschen Markt hat Mercedes-Benz bislang nicht kommuniziert.
Warum Ungarn – und was das für deutsche Werke bedeutet
Der entscheidende Faktor ist der Kostenvorteil: Die Faktorkosten in Ungarn liegen laut Auto Motor und Sport rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau. Für ein kompaktes Modell mit niedrigerer Marge als der Vollformat-G ist das ein entscheidendes Argument.
In Kecskemét entstehen ab 2027 flexible Fertigungslinien auf Basis der MMA- und MB.EA-Architektur – geeignet für Verbrenner, Mild-Hybrid und Elektro. Zusätzlich investiert Mercedes rund 56 Millionen Euro in ein neues R&D-Zentrum; vor Ort. Die Belegschaft wächst von rund 3.000 auf etwa 7.500 Mitarbeiter.
Für Rastatt und andere deutsche Werke bleibt die Lage angespannt. Wie Elektroquatsch berichtet, sieht die laufende Produktivitätsoffensive unter Konzernchef Ola Källenius keine neuen Modellzuweisungen an deutsche Standorte vor. Die IG Metall beobachtet diese Entwicklung kritisch; konkrete Verhandlungsergebnisse liegen noch nicht vor.
Zeitplan und Einordnung
Mercedes könnte die offizielle Ankündigung bereits am 13. Juli 2026 im Rahmen der Werkserweiterung in Kecskemét bekanntgeben. Marktstart ist für 2027 geplant. Neben dem Kompakt-G sollen in Ungarn der elektrische C-Klasse der nächsten Generation, der GLB EQ sowie Benzinversionen des A-Klasse produziert werden.
Der klassische G-Klasse bleibt davon unberührt – er wird weiterhin im österreichischen Graz (Magna Steyr) gefertigt.