Volkswagen setzt im polnischen Werk auf Agrivoltaik – ein Modell, das auch in Deutschland durch das Solarpaket I gerade stark an Fahrt gewinnt.

Volkswagen lässt auf dem Werksgelände in Poznań eine Schafherde grasen – nicht als PR-Gag, sondern als kalkulierte Entscheidung zur Kostensenkung. Unter den rund 31.000 Solarmodulen der werkseigenen 18,3-MW-Anlage halten 100 Schafe das Gras kurz, ersetzen Mähmaschinen und übernehmen so einen Teil der Flächenpflege. Die Photovoltaikanlage deckt rechnerisch etwa ein Viertel des jährlichen Strombedarfs am Standort – an sonnenreichen Tagen kann sie das Werk vollständig versorgen.

Tiere als Betriebskosten-Hebel

Die Idee dahinter ist denkbar pragmatisch: Zwischen Solarmodul-Reihen lässt sich nicht ohne Weiteres mähen, Maschinen verursachen laufende Kosten und Verschleiß. Schafe hingegen beweiden die Flächen von Frühjahr bis Herbst selbstständig. Laut dem Herdenbesitzer hätten sich die Tiere schnell an die Umgebung gewöhnt – sie halten sich in kleinen Gruppen zwischen den Panelreihen auf, was als Zeichen ungestörten Wohlbefindens gilt.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Poznań University of Life Sciences. Forscher untersuchen, wie das Beweiden die Bodenqualität und Artenvielfalt beeinflusst, wie es sich auf das Tierwohl auswirkt und ob der Schatten der Module den Tieren bei Hitze tatsächlich Erleichterung verschafft – ein Aspekt, der bei der Klimaadaption landwirtschaftlicher Flächen zunehmend relevant wird.

Agrivoltaik in Deutschland: Regelwerk und wachsender Markt

Das Konzept – Solarenergieerzeugung und Landwirtschaft auf derselben Fläche, Fachbegriff Agrivoltaik – ist in Deutschland durch die Normen DIN SPEC 91434 und 91492 geregelt. Entscheidend: Anlagen, die diese Standards erfüllen, behalten den landwirtschaftlichen Flächenstatus, womit auch EU-Agrarbeihilfen (GAP-Prämien) erhalten bleiben.

Das politische Umfeld begünstigt den Ausbau gerade stark. Mit dem Solarpaket I, das seit Mai 2024 gilt, steigt das Ausschreibungsvolumen für Agrivoltaik von 300 MW (2024) auf 2.075 MW pro Jahr bis 2029 – eine Versiebenachfachung. Der Höchstgebotswert liegt bei 9,5 Cent je Kilowattstunde, mit einem möglichen Bonus von 2,5 Cent für hoch aufgeständerte Systeme, die auch größere Maschinen darunter erlauben. Für Landwirte ist das finanziell interessant: Agrivoltaik-Pachtpreise liegen laut EnergieFluss24: Agri-PV DIN SPEC 91434 Vergütung 2026 bei 2.000 bis 3.500 Euro je Hektar und Jahr – fünf- bis zehnmal mehr als klassische Agrarpacht.

Poznań als Referenz, Deutschland als nächste Frage

Das Werk in Poznań und der benachbarte Standort Swarzędz produzieren jährlich rund 150.000 Caddy und 25.000 Transporter sowie über vier Millionen Fahrzeugkomponenten. Rund 7.000 Beschäftigte machen Volkswagen zum größten Arbeitgeber der Woiwodschaft Großpolen; in Kürze starten weitere 3.000 Mitarbeiter die Crafter-Fertigung im etwa 50 km entfernten Września.

Ob Volkswagen das Agrivoltaik-Modell auf deutsche Werksstandorte – etwa Wolfsburg, Emden oder Hannover – überträgt, ist bislang nicht angekündigt. Das Potenzial wäre vorhanden: Große Hallendächer und werkseigene Freiflächen kämen infrage. Angesichts des CO₂-neutral-bis-2040-Ziels des Konzerns liegt die Frage nahe – berichtet Solarserver: Agri-PV Solarpaket I Ausschreibungsvolumen über den wachsenden EEG-Rahmen, der solche Investitionen zunehmend wirtschaftlich macht.

Максим Тропко
Maksim Tropko
37 jahre (18 jahre am Steuer)