Volkswagen hat am 10. Juli 2026 im Aufsichtsrat ein Programm vorgestellt, das den Konzern grundlegend umformen soll: Bis 2030 fällt rund die Hälfte aller Baureihen weg. Die Jahresproduktion soll von ehemals 12 Millionen auf künftig rund 9 Millionen Fahrzeuge sinken – dem tatsächlichen Absatzniveau der Jahre 2024 und 2025. Für Beschäftigte an deutschen Standorten ist das die bislang konkreteste Ansage, wie tiefgreifend der Umbau ausfallen soll.
Welche Modelle wegfallen könnten
Offizielle Streichlisten veröffentlicht VW nicht. Intern kursieren laut Motor1 DE und Automobilwoche jedoch konkrete Szenarien: Das T-Roc Cabriolet endet 2027 planmäßig in Osnabrück. Der elektrische ID.5 sowie der Taigo – der sich mit dem T-Cross inhaltlich überschneidet – gelten als gefährdet. Der Benzin-Polo erhält keinen direkten Nachfolger; langfristig soll ein ID. Polo den Platz einnehmen, wobei die Euro-7-Norm den Hybridantrieb im Polo wirtschaftlich schwierig macht.
Der Golf bleibt. Ab 2027 wandert die Verbrenner-Fertigung nach Puebla, Mexiko; in Deutschland hält VW den Diesel-Golf ausdrücklich im Portfolio – er hält rund 16 Prozent Marktanteil. Bereits 2026 ergänzt ein Vollhybrid-Golf die Baureihe, ebenso ein Vollhybrid-T-Roc. Den nächsten elektrischen Golf plant VW ab etwa 2030 auf der neuen SSP-Plattform in Wolfsburg zu bauen. Parallel könnte die zweite T-Roc-Generation 2027 von Portugal nach Wolfsburg wechseln.
Wolfsburg schrumpft, vier Werke ungewiss
Wolfsburgs maximale Jahreskapazität soll von 800.000 auf rund 400.000 Einheiten sinken. Ab 2027 sollen dort auch ID.3 und Cupra Born produziert werden, die bislang in Zwickau vom Band laufen.
Genau das ist das Problem für Zwickau – und für drei weitere Standorte: Hannover (VW Nutzfahrzeuge, ID.Buzz), Emden (EV-Drehscheibe) und Neckarsulm (Audi) stehen laut Medienberichten auf dem Prüfstand. Ein schrittweiser Ausstieg zwischen 2031 und 2034 wird intern als Szenario diskutiert. Beschlossen ist nichts.
IG Metall mobilisierte rund 100.000 Beschäftigte an 20 deutschen VW-Standorten gegen Werksschließungen. Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte im Aufsichtsrat und verweigerte die Zustimmung zu konkreten Schließungsplänen. Eine Entscheidung wurde auf die Zeit nach der Sommerpause 2026 vertagt.
Audi, Porsche und Skoda: Auch Premiummarken straffen ihr Angebot
Audi hat A1 und Q2 bereits eingestellt. Weitere Straffungen im Sportback-Segment sowie eine Neubewertung des A8 gelten als wahrscheinlich. Bei Porsche könnten Taycan und Panamera mittelfristig zu einer Baureihe zusammenwachsen; die Kombivarianten Taycan Sport Turismo und Cross Turismo stehen ebenfalls zur Diskussion. Skoda dürfte den Scala nicht in die nächste Generation führen. Konzernweit will VW die Zahl der Ausstattungsvarianten, Antriebsvarianten und Optionspakete um 75 Prozent reduzieren.
Das erklärte Renditeziel liegt bei 8 bis 10 Prozent. Ob der Konzern dieses Ziel ohne Werksschließungen in Deutschland erreicht, bleibt die entscheidende Frage – für die Aktionäre ebenso wie für die Belegschaft.