Mitsubishi Motors steigt in die Massenproduktion humanoider Roboter ein: Ab 2027 sollen im Kyoto-Werk gemeinsam mit dem Universitäts-Tokio-Startup Highlanders bis zu 1.000 solcher Maschinen monatlich vom Band laufen. Das Projekt stellt Europa vor eine unbequeme Frage – denn während Asien die Produktion hochfährt, bleibt der Kontinent bislang Anwender, nicht Hersteller.
Kyoto statt Stuttgart: Wo die Roboter entstehen
Mitsubishi nutzt für die Fertigung freie Kapazitäten in seinem Kyoto-Werk, wo bisher Motoren produziert werden. Das Unternehmen beteiligt sich nicht nur als Abnehmer, sondern von Anfang an an der Entwicklung – ein Ansatz, den andere Automobilhersteller bislang so nicht verfolgen. In einer ersten Phase sollen die Humanoide Teile zwischen Produktionsbereichen transportieren und bei der Motorenmontage helfen. Läuft der Pilotbetrieb erfolgreich, will Mitsubishi die Maschinen auch an andere Industriebetriebe verkaufen.
Das Unternehmen sieht die breite Aufgabenpalette eines Automobilwerks – von Logistik über Schweißen bis zur Endmontage – als ideales Testfeld. Gleichzeitig betont das Management, keine Stellen abbauen zu wollen: Menschen und Roboter sollen künftig nebeneinander arbeiten.
BMW Leipzig als europäischer Vorreiter – mit Schweizer Technik
In Europa ist BMW derzeit der einzige Automobilhersteller, der den Schritt in die Praxis wagt. Im Dezember 2025 starteten erste Tests mit AEON-Humanoiden von Hexagon Robotics aus Zürich im Leipziger Werk. Ab Sommer 2026 soll die vollständige Pilotphase für die Batteriemontage beginnen – laut BMW Group pressroom (March 2026) das erste Mal, dass ein europäischer Automobilhersteller Humanoide in der Serienproduktion einsetzt.
Dennoch bleibt eine deutliche Lücke: Europa entwickelt und baut diese Roboter nicht selbst. Von den weltweit rund 10.000 im Jahr 2025 produzierten Humanoiden stammten 70 Prozent aus China. Auf Europa entfielen lediglich 6 Prozent. Nur sieben europäische Unternehmen beschäftigen sich überhaupt mit humanoider Robotik – keines davon hat bislang eine Pilotproduktion gestartet.
Fachkräftemangel als Treiber – Markt wächst auf bis zu 150 Milliarden Dollar
Dabei ist der Bedarf hoch. Deutschland beherbergt knapp 50 Prozent aller Industrieroboter der EU – der Anreiz zur weiteren Automatisierung wächst angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels. Bis 2035 könnte der globale Markt für humanoide Roboter auf 80 bis 150 Milliarden US-Dollar anwachsen, wie GTAI (June 2026) auf Basis von Daten der International Federation of Robotics schätzt.
Für Tier-1-Zulieferer und den Mittelstand eröffnen sich damit Chancen – als Abnehmer und perspektivisch auch als Integratoren. Ob Europa bei der Entwicklung eigener Plattformen aufholt oder dauerhaft importiert, entscheidet sich in den nächsten zwei bis drei Jahren.