Ab 2028 sollen im spanischen Werk zwei Geely-Elektro-SUVs für Europa entstehen – ohne die 28,8-Prozent-Strafzölle auf chinesische Importe.

Ford und der chinesische Automobilkonzern Geely haben am 23. Juli 2026 ein Gemeinschaftsunternehmen für das Werk im spanischen Valencia angekündigt. Ford hält 66 Prozent, Geely 34 Prozent der Anteile. Der Betrieb soll nach regulatorischer Genehmigung im ersten Halbjahr 2027 aufgenommen werden – erste Fahrzeuge rollen frühestens 2028 vom Band. Für den deutschen Markt ist das brisant: Geely produziert damit innerhalb der EU und umgeht so die 28,8 Prozent Gesamtzoll auf chinesische Elektroautos.

Zölle ausgehebelt, Preise offen

Die EU-Kommission hatte im Oktober 2024 einen Ausgleichszoll von 18,8 Prozent speziell für Geely eingeführt, zusätzlich zum regulären Importzoll von 10 Prozent – zusammen 28,8 Prozent auf in China gefertigte Elektroautos (BEV). Wer in Valencia produziert, zahlt keinen dieser Aufschläge. Geely plant dort zwei vollelektrische Crossover, deren Modellnamen und genaue Ausführung noch nicht abschließend bestätigt sind; intern kursieren die Bezeichnungen E5 und EX2. Konkrete Preise für den deutschen Markt – inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer – sowie WLTP-Reichweiten (europäischer Normverbrauchszyklus) werden erst nach dem Produktionsanlauf kommuniziert. Auch der Ladestandard für Europa steht noch aus; für EU-Fahrzeuge gilt CCS2 als Pflichtstandard.

Fünf neue Modelle bis 2029 – darunter ein Bronco für Europa

Das Werk in Valencia ist seit 1976 in Betrieb und kann bis zu 500.000 Fahrzeuge jährlich fertigen. Der Ford Kuga – einer der meistverkauften Plug-in-Hybride (PHEV) in Europa – bleibt im Programm. Darüber hinaus sind bis 2029 fünf neue Modelle geplant: zwei Ford-Modelle mit verschiedenen Antriebsvarianten, darunter ein kompakter Crossover aus der Bronco-Familie speziell für Europa, sowie die zwei Geely-Elektromodelle. Beide Konzerne begründen die Kooperation mit dem Druck, Entwicklungskosten zu teilen und die Elektrifizierung zu beschleunigen.

Chinesische Marken auf dem Vormarsch – auch in Deutschland

Dass Geely den Schritt nach Europa ernstnimmt, zeigt der Blick auf aktuelle Zulassungszahlen. Chinesische Marken verzeichneten im ersten Quartal 2026 europaweit ein Plus von 88 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Mai 2026 war BYD mit 4.290 Neuzulassungen die meistverkaufte chinesische Marke in Deutschland – vor allem dank Plug-in-Hybridmodellen, laut Restofworld. Geely zielt mit lokalisierten Elektromodellen ab 2028 auf dasselbe Segment.

Der Umstand, dass Volkswagen öffentlich signalisiert hat, unterausgelastete Werke mit chinesischen Partnern teilen zu wollen, zeigt, wie groß der Anpassungsdruck in der deutschen Automobilindustrie bereits ist. Ob Geely-Fahrzeuge aus Valencia tatsächlich wettbewerbsfähige Preise erreichen, hängt von Ausstattung, WLTP-Werten und der Händlernetzstruktur in Deutschland, Österreich und der Schweiz ab – Details, die frühestens 2027 folgen dürften. Den gesetzlichen Rahmen setzt derweil die EU: Der Beschluss der EU-Kommission zu Ausgleichszöllen bleibt für China-Importe in Kraft – Valencia-Produktion ist davon ausgenommen.

Максим Тропко
Maksim Tropko
37 jahre (18 jahre am Steuer)