Das Timing in der chinesischen Tech-Welt ist selten Zufall. Nur wenige Stunden bevor Xiaomi die Bühne für sein neues Elektro-Aushängeschild SU7 bereitete, grätschte Xpeng dazwischen. Mit einem umfassenden Refresh der P7-Baureihe stellt der Hersteller klar, dass er das Feld der intelligenten Limousinen nicht kampflos räumt. Dabei geht es weniger um kosmetische Korrekturen – auch wenn neue Farben wie „Starry Red“ das Auge schmeicheln – sondern um das, was unter der Haube und in den Rechenzentren passiert.
Ein digitales Gehirn für die Straße
Der Kern der Modellpflege ist das neue Fahrerassistenzsystem (ADAS), das auf dem sogenannten VLA-Modell (Visual Language Action) der zweiten Generation basiert. Xpeng verzichtet hierbei konsequent auf LiDAR-Sensoren und setzt auf eine rein visuelle Lösung, ähnlich wie Tesla. Das Ziel ist ambitioniert: autonomes Fahren auf Level 4. Um diese gewaltigen Datenmengen zu verarbeiten, verbaut Xpeng in den Top-Varianten drei Turing-KI-Chips, die eine Rechenleistung von bis zu 2.250 TOPS (Tera Operations Per Second) erreichen. Zum Vergleich: Viele aktuelle europäische Premium-Modelle bewegen sich in deutlich niedrigeren Regionen.
Xpeng P7 in Starry Red. Foto: Autohome
Für den deutschen Autofahrer ist diese Entwicklung besonders relevant, da Xpeng seinen Markteintritt in Deutschland bereits vollzogen hat. Die Technologie verspricht, Hindernisse wie unregelmäßig geparkte Fahrzeuge oder Schlaglöcher nicht nur zu erkennen, sondern darauf wie ein menschlicher Fahrer zu reagieren. Sogar das Ausweichen vor Kleintieren bei Nacht gehört zum Repertoire der neuen Software.
Laden im Eiltempo: Die 800-Volt-Offensive
Technisch setzt der Xpeng P7 auf eine 800-Volt-Plattform, die in Verbindung mit der 5C-Supercharging-Technologie Maßstäbe setzt. Das Topmodell mit Ternary-Lithium-Batterie soll in nur zehn Minuten Strom für bis zu 525 Kilometer Reichweite nachladen können. In einem Land wie Deutschland, in dem die Ladeinfrastruktur oft noch als Flaschenhals gilt, ist eine solche Ladegeschwindigkeit ein gewichtiges Argument gegenüber der heimischen Konkurrenz von VW oder Mercedes-Benz.
Die aerodynamische Silhouette bleibt. Foto: Jiemian
Die Leistungsdaten der Allradversion (750 4WD) lesen sich wie die eines Sportwagens: 593 PS (436 kW) und ein Drehmoment von 695 Nm katapultieren die Limousine in 3,7 Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Damit wildert der P7 nicht nur im Revier des Tesla Model 3, sondern rückt auch dem BMW i4 gefährlich nahe. Ein neuer „Sport+“-Modus strafft zudem die Dämpfung um 12 Prozent, um die Querdynamik zu schärfen.
Preiskampf und Marktpositionierung
In China startet der neue P7 702 Max bei umgerechnet rund 26.500 €. Das Topmodell, der 750 4WD Wing Ultra, schlägt mit circa 39.200 € zu Buche. Auch wenn diese Preise durch Zölle und Logistik in Europa deutlich steigen werden, bleibt das Preis-Leistungs-Verhältnis eine Ansage an die etablierten Hersteller. Xpeng muss jedoch liefern: Nach einem starken Verkaufsstart im letzten Jahr brachen die Zahlen zuletzt ein. Das Update soll nun das Momentum zurückbringen und den technologischen Vorsprung gegenüber Neueinsteigern wie Xiaomi zementieren.
Ob die deutschen Kunden bereit sind, für ein „KI-Gehirn“ auf Rädern ihre Markentreue aufzugeben, wird sich zeigen. Die Hardware-Basis ist jedenfalls so potent, dass sie die europäische Konkurrenz unter Zugzwang setzt.