Während die europäische Automobilindustrie noch über die richtige Strategie gegen die Konkurrenz aus Fernost grübelt, schaffen Huawei und der Staatskonzern SAIC vollendete Tatsachen. Mit dem Vorverkaufsstart der Limousine Saic Z7 und des Shooting Brake Z7T rollt eine technologische Breitseite auf den chinesischen Markt zu, die optisch ungeniert in Zuffenhausen wildert. Besonders pikant: SAIC ist der wichtigste Joint-Venture-Partner von Volkswagen in China. Dass man nun mit Huawei eine Marke etabliert, die preislich und technisch die Premium-Konkurrenz unter Druck setzt, dürfte in Wolfsburg und Stuttgart für Gesprächsstoff sorgen.
Design-Anleihen und technische Daten
Man muss kein Design-Experte sein, um beim Saic Z7 und der Kombi-Version Z7T (Shooting Brake) Parallelen zum Porsche Taycan zu erkennen. Die flache Fronthaube, die muskulösen Kotflügel und die markante Lichtsignatur sprechen eine deutliche Sprache. Mit einer Länge von 5,04 Metern und einem Radstand von glatten drei Metern sortieren sich die Fahrzeuge in der Oberklasse ein. Trotz der sportlichen Silhouette bleibt der Nutzwert erhalten: Der Z7T bietet bei umgeklappten Rücksitzen bis zu 1.694 Liter Stauraum.
Saic Z7 und Z7T im Profil. Foto: Saic
Unter dem Blech steckt wahlweise ein Heckantrieb mit 264 kW (354 PS) oder ein Allradsystem mit einer Systemleistung von 434 kW (582 PS). In der Top-Motorisierung sprintet die Limousine in 3,44 Sekunden auf 100 km/h. Die Energie liefern NMC-Batterien (Nickel-Mangan-Cobalt) mit 81 kWh oder 100 kWh Kapazität. Die angegebene Reichweite von bis zu 905 Kilometern nach dem chinesischen CLTC-Zyklus ist allerdings mit Vorsicht zu genießen; realitätsnahe WLTP-Werte dürften eher im Bereich von 650 bis 700 Kilometern liegen.
Huawei liefert das digitale Gehirn
Der eigentliche Clou der Fahrzeuge ist jedoch nicht der Antrieb, sondern die Software-Expertise von Huawei. Das System ADS 4.1 nutzt einen LiDAR-Sensor mit 896 Zeilen, der selbst kleinste Hindernisse von 14 Zentimetern Höhe auf eine Distanz von 122 Metern bei Nacht erkennt. Dies unterstreicht den Anspruch, beim autonomen Fahren die Marktführerschaft zu übernehmen.
Modernes Cockpit mit Huawei-Technik. Foto: Saic
Preise, die den Markt erschüttern
Die Preisgestaltung ist ein Schlag in die Magengrube für etablierte Hersteller. Die Limousine Z7 startet im Vorverkauf bei 228.800 Yuan, was umgerechnet etwa 29.600 € entspricht. Der Shooting Brake Z7T ist mit 239.800 Yuan (ca. 31.000 €) nur unwesentlich teurer. Zum Vergleich: Ein Porsche Taycan kostet in Deutschland ein Vielfaches. Selbst wenn man mögliche EU-Importzölle und Anpassungen für den europäischen Markt einrechnet, bliebe ein massiver Preisvorteil gegenüber deutschen Premium-Stromern.
Saic Z7. Foto: Saic
Für den deutschen Autofahrer bedeutet das: Der Druck auf heimische Marken wie Mercedes-Benz oder BMW wächst weiter. Während die deutschen Hersteller mit hohen Produktionskosten am Standort Deutschland kämpfen, zeigen SAIC und Huawei, wie viel Technik man für knapp 30.000 € in ein Auto packen kann. Ob die Marke den Sprung nach Europa wagt, ist noch nicht offiziell bestätigt, doch die technische Basis erfüllt bereits viele Anforderungen für westliche Märkte.