Die BMW M GmbH plant, das manuelle Schaltgetriebe trotz technischer Herausforderungen und steigender Motorleistungen so lange wie möglich im Programm zu behalten. Wie Sylvia Neubauer, Vice President Customer, Brand und Sales bei BMW M, gegenüber der Fachzeitschrift Automobilwoche bestätigte, arbeiten Ingenieure derzeit an Lösungen, um die klassische Schaltung mit der Kraft moderner Verbrennungsmotoren kompatibel zu halten.
Technische Grenzen durch hohes Drehmoment
Die größte Hürde für den Verbleib der Handschaltung ist nicht die reine PS-Leistung, sondern das Drehmoment der Triebwerke. Aktuelle Schaltgetriebe stoßen bei den Kraftwerten moderner Hochleistungsmotoren an ihre Belastungsgrenzen. Ein Beispiel hierfür ist der BMW 3.0 CSL: Während der S58-Reihensechszylinder dort 553 PS leistet, musste das Drehmoment auf 550 Nm begrenzt werden, um die Standfestigkeit der Sechsgang-Box zu gewährleisten. In Modellen mit Automatikgetriebe liefert derselbe Motor bis zu 100 Nm mehr Drehmoment.
Strategie und Modellverfügbarkeit
Da die Entwicklung eines komplett neuen Schaltgetriebes aufgrund sinkender Absatzzahlen weltweit wirtschaftlich kaum darstellbar ist, setzt BMW M auf gezielte Anpassungen. Ein wahrscheinlicher Weg für künftige Modelle ist die bewusste Leistungsreduzierung (Detuning) der Motoren in Kombination mit der Handschaltung. Aktuell bietet BMW die manuelle Option noch in den Modellen M2, M3 und M4 an. Während der M2 und der M4 voraussichtlich bis zum Ende ihres Lebenszyklus um das Jahr 2029 mit drei Pedalen erhältlich sein werden, bleibt die Ausstattung der nächsten M3-Generation ungewiss.
Auswirkungen der Regulatorik in der EU
Neben getriebetechnischen Fragen sieht sich BMW M mit verschärften Emissionsregeln in Europa konfrontiert. Die kommenden Euro-7-Normen und die CO2-Flottenziele der EU für 2030 und 2035 zwingen den Hersteller bereits jetzt zu Anpassungen bei den Verbrennungsmotoren. So wurde die Leistung des V8-Antriebs im M5 und XM für den europäischen Markt bereits modifiziert, um geltende Grenzwerte einzuhalten. Dieser Prozess wird sich laut Unternehmen angesichts der gesetzlichen Vorgaben in den kommenden Jahren weiter intensivieren.