BMW hat sein Markenimage jahrzehntelang auf dem Hinterradantrieb aufgebaut. Doch die Kaufentscheidungen auf dem Heimatmarkt erzählen inzwischen eine andere Geschichte: Im ersten Quartal 2026 lag der xDrive-Anteil bei deutschen BMW-Neuzulassungen bei 60,2 Prozent – das erste Mal, dass die 60-Prozent-Schwelle überschritten wurde. Das zeigen Daten des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA), ausgewertet von BMW Blog.
Vorsprung vor Quattro und 4Matic
BMW führt damit das Feld der deutschen Premiumhersteller deutlich an. Audi Quattro kommt im gleichen Zeitraum auf eine Allradquote von 49,5 Prozent, Mercedes 4Matic auf 44,7 Prozent. Der Abstand ist bemerkenswert – und er wächst. Noch 2009 war xDrive lediglich auf 14,9 Prozent der in Deutschland verkauften BMW verbaut. Seither hat sich der Anteil innerhalb von 17 Jahren mehr als vervierfacht.
Besonders hoch fällt die Quote in der X-Serie aus: Die kompakten und mittelgroßen SUV-Modelle sind in Deutschland gar nicht mehr mit Hinterradantrieb erhältlich, was dort zu einer xDrive-Penetration von rund 80 Prozent führt. Aber auch außerhalb der SUV-Palette greift der Trend: 41,9 Prozent der Limousinen und Coupés aus München werden inzwischen mit Allradantrieb ausgeliefert.
Elektrifizierung und Modellstrategie als Treiber
Ein zentraler Grund für den Anstieg ist die Modellpolitik selbst. Elektromodelle wie der i4 und der i5 sind in leistungsstarken Varianten serienmäßig als Dual-Motor-Versionen ausgelegt – Allradantrieb ist hier konstruktionsbedingt Standard, keine Option. Hinzu kommen die höheren M-Performance-Varianten, bei denen BMW die reine Hinterradoption gestrichen hat. Wer die stärkste Motorisierung will, bekommt automatisch xDrive dazu.
Das Ergebnis: Ein wachsender Teil der Käufer entscheidet sich nicht bewusst für Allrad, sondern erhält ihn als Teil des gewählten Antriebspakets. Echte Präferenz und strukturierte Portfolioentscheidung lassen sich in den KBA-Zahlen kaum trennen.
Wohin geht der Trend?
Analysten erwarten, dass die xDrive-Quote weiter steigt. Mit jedem neuen Elektromodell und jeder weiteren Überarbeitung der M-Baureihen dürfte der Anteil reiner Hinterradantriebe im BMW-Portfolio weiter schrumpfen. Was einst das Alleinstellungsmerkmal der Marke war – der klassische Hecktriebler als Fahrmaschine – rückt in der Breite des Marktes zunehmend in den Hintergrund.
Für Käufer in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet das: Wer heute einen neuen BMW ordert, fährt mit hoher Wahrscheinlichkeit mit xDrive davon – ob gewählt oder mitgeliefert.