VW und BYD verhandeln offenbar über eine Teilnutzung des seit Ende 2025 stillgelegten Dresdner Prestige-Werks – ein Deal mit klarem politischem Hintergrund.

BYD führt Gespräche mit Volkswagen über eine Teilübernahme der Gläsernen Manufaktur in Dresden. Das berichtet CarNewsChina exklusiv. Das ikonische Glasgebäude steht seit Ende 2025 leer, nachdem VW die Produktion des ID.3 eingestellt hatte. Für BYD wäre ein Einstieg mehr als ein Fabrikdeal – es wäre das Etikett „Made in Germany" mitten im Herzen der deutschen Automobilindustrie.

Zwei Hälften, ein Ziel

Den Plänen zufolge soll die Manufaktur aufgeteilt werden: Eine Hälfte übernimmt die Technische Universität Dresden als Innovationszentrum, die andere Hälfte würde BYD für die Montage von Elektrofahrzeugen nutzen. Die geschätzten Umbaukosten liegen bei rund 50 Millionen Euro. Welche Modelle dort gebaut werden sollen, ist noch nicht bestätigt – als Kandidaten gelten Dolphin, Atto 3 und Seal, die BYD bislang vollständig aus China importiert.

Politisches Kalkül hinter dem Werkstor

Der Hintergrund des Deals ist nicht nur wirtschaftlicher Natur. Deutschland stimmte im Oktober 2024 gegen die zusätzlichen EU-Antidumpingzölle auf chinesische Elektroautos. Peking honoriert dieses Verhalten gezielt: Chinesische Hersteller werden animiert, bevorzugt in Ländern zu investieren, die sich gegen die Strafzölle positioniert haben. Aktuell zahlt BYD beim Import nach Europa 10 Prozent Grundzoll plus bis zu 35,3 Prozent Antidumpingzuschlag – seit Januar 2026 teilweise durch Mindestpreisvereinbarungen ersetzt, wie Electrive berichtet. Lokale Fertigung in Dresden würde diese Belastung vollständig umgehen.

Europäische Ambitionen mit deutschen Wurzeln

BYD baut bereits in Ungarn und plant ein Werk in der Türkei (Eröffnung März 2026). Ein Standort in Deutschland wäre dennoch eine andere Qualität: Europas größter Automarkt, verbunden mit dem Vertrauenssignal einer deutschen Traditionsadresse. Bis 2029 peilt BYD in Europa Verkäufe von knapp 400.000 Einheiten an. Neben BYD sollen auch MG und Xpeng Interesse an brachliegenden VW-Kapazitäten in Europa signalisiert haben.

Offiziell kommentieren weder VW noch BYD die laufenden Verhandlungen. Beide Seiten bestätigen lediglich, dass noch keine Entscheidung gefallen ist.

Максим Тропко
Maksim Tropko
36 jahre (18 jahre am Steuer)