Nissan hat sein 500-Millionen-Dollar-Elektrofahrzeug-Programm am Werk Canton im US-Bundesstaat Mississippi vollständig gestrichen. Der Hersteller begründet den Schritt mit nachlassender Nachfrage auf dem US-Markt und der Notwendigkeit, Liquidität zu schonen. Stattdessen soll das Werk künftig mindestens fünf benzin- und hybridbetriebene Modelle auf einer gemeinsamen Rahmenplattform fertigen.
Hintergrund: Steuerkredite weg, Nachfrage eingebrochen
Im Oktober 2025 strich die US-Regierung den bisherigen Bundeskaufanreiz von 7.500 US-Dollar für Elektrofahrzeuge (Section 30D des US-Steuergesetzes). Die Folgen waren unmittelbar spürbar: Der Marktanteil von Elektrofahrzeugen in den USA fiel von 10,6 Prozent im dritten Quartal 2025 auf 5,8 Prozent im ersten Quartal 2026. Hinzu kommt ein Importzoll von 15 Prozent auf aus Japan eingeführte Fahrzeuge, der den Ariya-Crossover für den US-Markt zusätzlich verteuerte. Nissan stellte das Modell daraufhin nach dem Modelljahr 2026 ein – als einziger verbleibender Nissan-Stromer in den USA gilt nun der Leaf ab unter 30.000 Dollar.
Kurswechsel in Canton
Das Werk Canton, 2003 eröffnet und derzeit mit einer Jahreskapazität von über 400.000 Einheiten ausgestattet, produzierte 2025 lediglich rund 158.500 Fahrzeuge beider aktuellen Modelle – also weniger als die Hälfte der möglichen Auslastung. Die neue Strategie sieht eine Rahmenplattform vor, bei der 70 Prozent der Bauteile modellübergreifend geteilt werden. Geplant sind unter anderem:
- Nissan Xterra – ein Rahmen-SUV mit Sechszylinder-Hybridantrieb, Markteinführung 2028 zu einem Einstiegspreis von unter 40.000 Dollar - Ein überarbeiteter Pickup Frontier sowie ein neues dreireiiges Modell, voraussichtlich der Pathfinder
Noch im Dezember 2025 hatte Nissans Senior Vice President für die Americas, Ponz Pandikuthira, öffentlich erklärt, der künftige Xterra könne „nicht ausschließlich mit Verbrennungsmotor" kommen. Vier Monate später wurde genau das beschlossen.
Globaler Umbau als Rahmen
Canton steht nicht auf der Streichliste der Restrukturierung „Re:Nissan", die die globale Werksanzahl bis 2027 von 17 auf 10 reduzieren soll. Das Werk bleibt erhalten – jedoch in veränderter Rolle. Nissans erklärtes Ziel sind eine Million Verkäufe pro Jahr in Nordamerika bis Anfang 2031, erreichbar vor allem über Rahmen-SUVs und Pickups statt Elektrofahrzeuge.
Für den DACH-Markt hat die Entscheidung keine unmittelbaren Auswirkungen: Die Ariya-Versorgung für Europa läuft weiter, das Werk Sunderland in Großbritannien bleibt unverändert, und Nissans Vertriebs- und Produktionsstrategie in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist von der US-Steuer- und Zollpolitik nicht direkt betroffen.