CEO Thomas Schäfer bestätigt: Die SSP-Plattform ist noch nicht bereit, chinesische EV-Preise zwingen VW zur Kosten-Neubewertung – Wolfsburg bleibt trotzdem das Zentrum der E-Golf-Fertigung.

Volkswagen-Chef Thomas Schäfer hat auf der FT Future of the Car-Konferenz in London bestätigt: Den ID Golf wird es nicht im Jahr 2028 geben. Der Start verschiebt sich auf Ende des Jahrzehnts – also frühestens 2029 oder 2030. Als Hauptgrund nennt Schäfer Verzögerungen bei der SSP-Plattform (Scalable Systems Platform), auf der das Fahrzeug aufbauen soll.

Audi und Porsche kommen zuerst

Die SSP-Plattform war ursprünglich für dieses Jahr geplant, wurde aber wegen Entwicklungsproblemen auf 2028 verschoben. Volkswagen hat intern entschieden, dass zuerst die Premiummarken Audi und Porsche auf die neue Architektur wechseln – erst danach folgt die Kernmarke VW. Für Wolfsburg bedeutet das eine weitere Wartezeit.

Dabei bringt SSP technisch viel mit: ein 800-Volt-Bordnetz (lädt schneller als das weit verbreitete 400-Volt-System), einheitliche Batteriezellen und eine gemeinsam mit Rivian entwickelte Software-Architektur. Der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent soll damit rund 12 Minuten dauern – verglichen mit rund 35 Minuten beim aktuellen ID.3. Ladestandard ist CCS2 für den europäischen Markt.

Chinesische Konkurrenz zwingt VW zum Umdenken

Schäfer räumte offen ein, dass der Preisdruck chinesischer Hersteller – allen voran BYD – das Unternehmen zur Kostenneubewertung zwingt. Er sprach davon, „die Rechnung neu aufmachen" zu müssen: Materialkosten und Investitionsvolumen müssen so kalkuliert werden, dass der ID Golf bei vergleichbaren Margen wie ein Verbrenner profitabel gebaut werden kann. Ohne hohe Stückzahlen, so VW, sei diese Parität nicht erreichbar.

Gleichzeitig will VW vermeiden, dass ein elektrischer Golf die laufenden Modelle kannibalisiert. In den nächsten Jahren füllt die Marke ihre EV-Reihe mit dem ID Polo, einem überarbeiteten ID.3 Neo und dem Crossover ID Cross.

Wolfsburg bleibt – der Verbrenner geht nach Mexiko

Trotz der Verzögerung steht fest: Der ID Golf wird in Halle 54 in Wolfsburg gebaut – dem Ort, an dem Golf-Modelle seit 1983 vom Band laufen. Die IG Metall zeigte Belegschaftsmitgliedern im März 2026 erste Bilder des Fahrzeugs; die Gewerkschaft hat bei Plattformübergängen ein gesichertes Mitspracherecht.

Anders der Verbrenner: Die Fertigung des Golf Mk8.5 mit Verbrennungs- und Hybridantrieb (Plug-in-Hybrid) zieht 2027 nach Mexiko um. Das Modell bleibt aber im Programm und soll zeitgleich mit dem ID Golf umfangreich erneuert werden – die Euro-7-Norm sichert dem Verbrenner-Golf einen Marktplatz bis über 2028 hinaus.

Preise für den ID Golf hat VW bislang nicht genannt — per Autocar (May 13, 2026) und Electrek (May 13, 2026).

Максим Тропко
Maksim Tropko
36 jahre (18 jahre am Steuer)