Nissan denkt laut darüber nach, in China produzierte Modelle künftig nach Kanada zu exportieren. Kanada hat Anfang 2026 ein jährliches Kontingent von 49.000 chinesischen Elektro- und Hybridfahrzeugen bei einem Zollsatz von 6,1 Prozent eingeführt. Für den DACH-Markt ändert sich dadurch nichts: Nissan plant keine China-Importe nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz.
Sunderland: Halbvolle Fabrik, offene Fragen
Das Nissan-Werk in Sunderland (Großbritannien) läuft derzeit auf rund 50 Prozent Auslastung. Laut CnEVPost verhandelt Nissan mit dem chinesischen Hersteller Chery darüber, freie Kapazitäten im britischen Werk gemeinsam zu nutzen. Konkrete Ergebnisse dieser Gespräche sind bislang nicht bestätigt.
Für den europäischen Markt bleibt Sunderland der Dreh- und Angelpunkt der Nissan-Strategie. Das Werk produziert seit Dezember 2025 den neuen Leaf und wird künftig auch den Juke EV fertigen. Nissan hat dafür 450 Millionen Pfund im Rahmen des EV36Zero-Programms investiert – inklusive einer integrierten Batteriezellenfabrik des Partners AESC.
Welche Modelle Kanada bekommen könnte
Im Rahmen des Dongfeng-Nissan-Gemeinschaftsunternehmens entstehen in China mehrere Fahrzeuge, die als Exportkandidaten gelten:
- Nissan N7 – Elektro-Limousine, ab umgerechnet rund 17.000 US-Dollar in China - Nissan NX8 – Elektro-SUV, ab rund 22.000 US-Dollar in China - Frontier Pro PHEV – Plug-in-Hybrid-Pickup, ab rund 26.000 US-Dollar in China
Nach Import und Zollaufschlag werden die Preise in Kanada deutlich höher liegen. Zum Vergleich: Tesla verkauft sein in Shanghai gebautes Model 3 dort bereits ab 42.132 kanadischen Dollar (umgerechnet rund 30.900 US-Dollar). Nissan müsste preislich darunter bleiben, um das Kontingent sinnvoll zu nutzen.
Globaler Exportplan, aber nicht für Europa
Nissans neuer Chef Ivan Espinosa verfolgt laut Bloomberg einen schrittweisen Exportplan: zunächst 100.000 in China produzierte Fahrzeuge pro Jahr, langfristig bis zu 300.000. Lateinamerika und ASEAN-Länder sind die ersten Zielmärkte, Kanada soll folgen.
Der Restrukturierungsplan „Re:Nissan" sieht zudem eine Konsolidierung von 17 auf 10 Werke weltweit vor. Europäische Produktionsstandorte – allen voran Sunderland – sollen dabei auf EV-Plattformen konzentriert werden, nicht auf den Vertrieb chinesischer Importmodelle.
Auch andere Hersteller nutzen chinesische Plattformen für internationale Märkte: Stellantis prüft, ob Leapmotor-Elektrofahrzeuge künftig im kanadischen Brampton montiert werden könnten.