Im Mai 2026 hat das US-kanadische Touristikunternehmen Pursuit gemeinsam mit dem kanadischen Spezialisten Noble Northern den weltweit ersten elektrischen Gletscherbus in Betrieb genommen. Das Fahrzeug fährt am Columbia Icefield im Jasper-Nationalpark in der kanadischen Provinz Alberta – einem der meistbesuchten Naturschauplätze Nordamerikas. Es handelt sich zunächst um einen Pilotbetrieb mit einem einzigen Fahrzeug; wie es weitergeht, hängt von den Ergebnissen dieser Saison ab.
Technik: 528-kWh-Akku, Solardach, Luftfederung
Der neue Ice Explorer basiert auf dem Rahmen eines bestehenden Dieselfahrzeugs – allerdings wurde fast alles ersetzt. Übrig blieb lediglich die obere Passagierkabine. Das neue Fahrgestell ist laut Hersteller mehr als 50 Prozent leichter als das ursprüngliche, was die Effizienz auf dem felsigen, vereisten Untergrund des Gletschers verbessert. Hinzu kommen eine Luftfederung für unebeneres Gelände sowie ein thermisch geregelter Akku mit 528 kWh Kapazität – ausgelegt für den Betrieb bei niedrigen Temperaturen.
Noble-Northern-Präsident Tye Noble zufolge reicht eine Ladung für rund 30 bis 35 Fahrten auf dem Gletscher. Rekuperatives Bremsen – also die Rückgewinnung von Energie beim Bremsen und Bergabfahren – speist zusätzlich Strom in den Akku zurück. Auf dem Dach sitzen zwölf bifaziale Solarmodule, die von beiden Seiten Licht aufnehmen und bei Sonnenschein weitere Energie liefern.
Weniger Lärm, weniger CO₂
Für Touristen ist der spürbarste Unterschied der fehlende Diesellärm. Auf dem Gletscher sind jetzt die Geräusche des Eises und der Natur zu hören – ein Aspekt, den Pursuit ausdrücklich als Teil des Erlebnisses bewirbt. Modellrechnungen des Unternehmens zufolge soll der elektrische Ice Explorer täglich 200 bis 300 Kilogramm CO₂ weniger ausstoßen als ein vergleichbares Dieselfahrzeug auf derselben Strecke. Dabei handelt es sich ausdrücklich um Schätzwerte, keine gemessenen Betriebsdaten.
Das Fahrzeug ist Teil der unternehmenseigenen Nachhaltigkeitsinitiative „Promise to Place". Parallel dazu hat Pursuit bereits zehn bestehende Ice Explorer modernisiert: Sechs erhielten Dieselmotoren nach EPA-Tier-3-Standard, vier nach dem strengeren EPA-Tier-4-Standard mit reduzierten Stickoxidemissionen. Außerdem wurden am Columbia-Icefield-Besucherzentrum die Dieselgeneratoren durch ein Propansystem ersetzt – das soll den CO₂-Fußabdruck des gesamten Standorts um mehr als 30 Prozent senken.
Ausblick: Vorerst Kanada-exklusiv
Einen Rollout auf andere Standorte oder gar europäische Gletscher hat Pursuit bislang nicht angekündigt. Der elektrische Ice Explorer bleibt damit ein Einzelprojekt mit Signalwirkung: dass schwere Spezialfahrzeuge in empfindlichen Naturräumen auch elektrisch funktionieren können – laut InsideEVs ein Fingerzeig für die gesamte Branche des Abenteuertourismus in Schutzgebieten.