BYDs Level-2-Fahrerassistenzsystem soll Unfälle drastisch reduzieren. Im DACH-Raum bleibt die Technologie vorerst unerreichbar – EU-Zölle und offene Datenschutzfragen machen einen baldigen Start unwahrscheinlich.

BYD behauptet, sein Fahrerassistenzsystem God's Eye (DiPilot) habe auf rund drei Millionen Fahrzeugen die schwere Unfallhäufigkeit um bis zu 80 Prozent gesenkt. Präsentiert wurden diese Zahlen auf der 13. Shanghaier Konferenz für intelligente Fahrzeugtechnologie. Für Käuferinnen und Käufer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das vorerst irrelevant: Die Technologie ist ausschließlich in China erhältlich – und ein konkreter Zeitplan für Europa fehlt.

Was das System kann

God's Eye ist in drei Ausbaustufen verfügbar. Die Einstiegsvariante DiPilot 100 arbeitet rein kamerabasiert, DiPilot 300 ergänzt Radar, und die Premiumversion DiPilot 600 kombiniert Kameras, Radar und ein Dach-LiDAR-System für schwierige Situationen wie enges Parken oder schlechte Sichtverhältnisse. Alle drei Stufen basieren auf der sogenannten Xuanji-Architektur – einer zentralen Rechenplattform, die Antrieb, Sicherheit und Infotainment zusammenführt. Die KI-Algorithmen werden laut BYD alle drei Tage aktualisiert, gespeist aus täglich rund 190 Millionen Kilometern realer Fahrdaten aus der chinesischen Flotte.

Als Sicherheitsindikator verwendet BYD die Häufigkeit von Airbag-Auslösungen pro zehn Millionen Kilometer. Fahrzeuge mit aktiviertem DiPilot zeigten demnach sechsmal weniger schwere Unfälle als Fahrzeuge ohne elektronischen Assistenten. Wichtig zu wissen: Diese Metrik ist kein anerkannter Standard nach ISO oder Euro NCAP. Eine unabhängige Überprüfung durch das Kraftfahrt-Bundesamt oder einen vergleichbaren Prüfer liegt nicht vor – die Vergleichbarkeit mit Tesla-FSD-Daten (Level-2-Fahrerassistenz) oder Volkswagen-eigenen ADAS-Benchmarks bleibt damit unklar.

Warum Europa außen vor bleibt

Auf dem deutschen Markt sind der BYD Seal U DM-i (Plug-in-Hybrid) und der Atto 3 erhältlich – jedoch ohne DiPilot-Hardware. Die europäischen Fahrzeuge verwenden eine separate Elektronikarchitektur; die Assistenzfunktionen des chinesischen Marktes sind schlicht nicht verbaut.

Hinzu kommt die Zollsituation: Auf BYD-Fahrzeuge aus chinesischer Produktion erhebt die EU einen Zusatzzoll von 17,4 Prozent auf den bereits bestehenden Basiszoll. Das verteuert den Import erheblich und macht den ohnehin günstigen Preisvorteil – in China startet God's Eye kostenlos ab dem Kleinstwagen Seagull zum Äquivalent von rund 9.500 Euro – für Europa irrelevant.

Offen bleibt auch die regulatorische Frage: Die Xuanji-Architektur verarbeitet kontinuierlich große Mengen Fahrdaten in der Cloud. Wie BYD diese Datenströme DSGVO-konform gestalten will, hat das Unternehmen bislang nicht kommuniziert – laut einem Fahrtest von ADT Media Nov 2025 ist der regulatorische Pfad für den EU-Markteintritt ausdrücklich noch offen. Auf Autobahnen zeigte DiPilot 100/300 im europäischen Test solide Leistungen, im Stadtverkehr stießen die Systeme jedoch an ihre Grenzen.

Wer BYDs Assistenztechnologie hierzulande erleben möchte, muss also warten – und darauf hoffen, dass Zölle, Datenschutz und Typgenehmigung irgendwann in eine Richtung zeigen. Derzeit tun sie das nicht, berichtet EV Magazine.

Максим Тропко
Maksim Tropko
36 jahre (18 jahre am Steuer)