Der chinesische Hersteller rollt das erste vollständig in Serie gefertigte Level-4-Robotaxi vom Band – ohne LiDAR, ohne HD-Karten. Für DACH-Kunden ändert sich vorerst nichts.

Xpeng hat im Mai 2026 in Guangzhou das erste L4-Robotaxi (Level 4: vollautomatisiertes Fahren innerhalb definierter Gebiete, ohne Fahreingriff) vom Serienband geholt. Das Fahrzeug basiert auf der GX-Plattform und kombiniert vier hauseigene Turing-AI-Chips zu einer Rechenleistung von 3.000 TOPS. Für Fahrer und Fahrerinnen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz spielt das vorerst keine Rolle – kein Robotaxi-Pilotversuch außerhalb Chinas ist bestätigt.

Technik: Kamera statt Laser, Reaktion unter 80 Millisekunden

Xpeng verzichtet wie Tesla auf LiDAR-Scanner und hochauflösende HD-Karten. Stattdessen setzt das Unternehmen auf ein reines Kamerasystem, das von der KI-Architektur VLA 2.0 gesteuert wird. Das System arbeitet nach dem End-to-End-Prinzip: Sensordaten werden direkt in Fahrbefehle übersetzt, ohne klassische Zwischenschritte. Die Reaktionslatenz liegt laut Xpeng unter 80 Millisekunden. Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 sollen überwachte Pilotbetriebe in China anlaufen; vollständig fahrerloser Betrieb ist für Anfang 2027 geplant.

Das Robotaxi richtet sich ausdrücklich auch als Premiumservice aus: abgedunkeltes Glas, sogenannte Zero-Gravity-Sitze und Bildschirme für Fondpassagiere gehören zur Ausstattung.

Was VW damit zu tun hat – und was das für DACH bedeutet

Volkswagen ist der erste bestätigte Lizenzpartner für VLA 2.0 – allerdings ausschließlich für den chinesischen Markt, wie ADAS & AV Int'l berichtet. Eine Robotaxi-Kooperation für Europa ist nicht Bestandteil des Deals.

Europäische Xpeng-Besitzer erhalten über das OTA-Update XOS 5.8.7 seit März 2026 erweiterte Level-2-Fahrassistenzfunktionen (teilautomatisiertes Fahren mit dauerhafter Fahrerüberwachung). Das ist der aktuelle Stand der Xpeng-Software in der DACH-Region – nicht mehr. Ein L4-Pilotprogramm in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist nicht angekündigt.

Das liegt auch am Rechtsrahmen: Die EU reguliert autonomes Fahren oberhalb von Level 2 auf Ebene einzelner Städte und Bundesländer. Eine einheitliche L4-Zulassung existiert nicht. Tesla strebt die FSD-Freigabe (Full Self-Driving, Stufe 2 mit erweitertem Assistenzumfang) in Europa für 2026 an, ohne bisher eine behördliche Bestätigung vorweisen zu können. Waymo, der US-Marktführer im kommerziellen Robotaxi-Betrieb, ist auf den amerikanischen Markt beschränkt.

Zeitplan und Einordnung

Xpeng gründete im März 2026 einen eigenständigen Robotaxi-Geschäftsbereich, der Entwicklung, Tests und Vermarktung bündelt. Die Pilotphase in China soll die technische Skalierbarkeit und die Wirtschaftlichkeit des Modells prüfen – Tarife oder Betriebskosten nannte das Unternehmen bisher nicht.

Die VLA-2.0-Technologie kommt auch im humanoiden Roboter IRON und einem Flugauto zum Einsatz, womit Xpeng eine gemeinsame KI-Plattform über mehrere Produktkategorien aufbaut. Ob und wann diese Strategie konkrete Konsequenzen für den europäischen Mobilitätsmarkt hat, bleibt offen – laut Electrek hat Xpeng eine globale „Physical AI"-Strategie formuliert, aber keinen DACH-Pilottermin benannt.

Максим Тропко
Maksim Tropko
36 jahre (18 jahre am Steuer)