Ferrari bringt sein erstes Serien-Elektroauto auf den Markt – und sorgt damit für mehr Gesprächsstoff als jeder neue Verbrenner aus Maranello seit Jahren. Der Luce kostet ab 550.000 Euro (inkl. 19 % MwSt.) und soll ab dem vierten Quartal 2026 auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgeliefert werden. Trotz heftiger Design-Kritik im Netz und fallender Aktienkurse nach der Präsentation sind laut Bloomberg alle Produktionskapazitäten bis Ende 2027 vergeben.
Antrieb, Reichweite und Laden
Der Luce schöpft seine Leistung aus vier Elektromotoren und einer 122-kWh-Batterie von SK On. Das System leistet 772 kW (1.035 PS). Die Reichweite gibt Ferrari nach dem europäischen Normverbrauchszyklus (WLTP) mit 530 km an. Die Ladeinfrastruktur basiert auf einem 800-Volt-Bordnetz, das schneller lädt als das verbreitetere 400-Volt-System, und nutzt den europäischen CCS2-Ladestecker-Standard. Genaue Ladeleistungs-Spitzenwerte hat Ferrari bislang nicht kommuniziert.
Preise, Förderung und DACH-Verfügbarkeit
Der Einstiegspreis von 550.000 Euro gilt ohne Individualisierungspakete aus dem Tailor-Made-Programm; der Endpreis dürfte für viele Kunden spürbar höher liegen. Staatliche Kaufunterstützung gibt es nicht: Der Umweltbonus wurde in Deutschland am 17. Dezember 2023 eingestellt. Die zehnjährige Kfz-Steuer-Befreiung für Elektrofahrzeuge gilt jedoch weiterhin. Die Dienstwagen-Versteuerung zum günstigen Satz von 0,25 % greift nur bei Fahrzeugen bis 70.000 Euro Listenpreis – der Luce liegt weit darüber. In Österreich entfällt der e-Mobilitätsbonus von 5.000 Euro ebenfalls, da er auf reine Elektrofahrzeuge unter bestimmten Preisgrenzen ausgerichtet ist. In der Schweiz existiert kein Bundesbonus.
Bestellungen laufen ausschließlich über das autorisierte Ferrari-Händlernetz – kein freier Online-Verkauf, keine Lagerhaltung. Wer ein Fahrzeug möchte, braucht in der Regel eine entsprechende Kundenhistorie beim Händler. Ob der Luce die klassische Allokationssicherung – also den Kauf als Eintrittskarte für zukünftige Limitierungen – offiziell einschließt, hat Ferrari bislang nicht bestätigt.
Design-Debatte und Marktreaktion
Das Exterieur, gestaltet vom Designstudio LoveFrom unter Jony Ive (bekannt als langjähriger Apple-Chefdesigner), löste unmittelbar nach der Weltpremiere eine Welle an Kritik aus. Im Netz kursierten Vergleiche mit Alltagsfahrzeugen anderer Hersteller; der Kurs der Ferrari-Aktie gab in den Folgetagen um sechs bis acht Prozent nach. Luca di Montezemolo, früherer Ferrari-Chef, äußerte öffentlich Zweifel und erklärte, das berühmte Cavallino-Rampante-Logo sollte einem solchen Modell nicht zieren.
CEO Benedetto Vigna hält dagegen: Er verweist auf hohes Interesse sowohl bestehender Ferrari-Kunden als auch neuer Käufer. Ein Vergleich drängt sich auf: Als Ford 2019 den Mustang Mach-E präsentierte – ein Elektro-SUV unter einem Sportwagenlogo –, war die Entrüstung ähnlich laut. Das Modell wurde anschließend ein kommerzieller Erfolg. Ob der Luce eine vergleichbare Entwicklung nimmt, werden die ersten Auslieferungen zeigen.
Jahresstückzahlen nennt Ferrari weiterhin nicht, laut autonews.autoua.net ist der DACH-Start für November oder Dezember 2026 geplant.